Computer für unterwegs
Die Geschichte der Nutzungsschnittstellen des Computers, wie ich sie Ihnen in diesem Buch vorgestellt habe, war letztlich immer auch eine Geschichte der Miniaturisierung, von den Großrechnern über Minicomputer bis hin zu den Personal Computern. Die Miniaturisierung bedeutete oft weit mehr, als dass die Geräte kleiner wurden. Ein moderner PC ist keine kleine Version eines ENIAC oder einer Zuse Z3. Es handelt sich um Maschinen mit ganz unterschiedlicher Charakteristik. Sie werden ganz anders bedient und auch für ganz andere Zwecke verwendet. Das ist aber natürlich nicht bei jeder Miniaturisierung so. Verwendet man statt eines Desktop-PCs einen kleinen kompakten PC in der Größe eines Buches, gibt es keinen wirklich signifikanten Unterschied. Das Gleiche gilt im Großen und Ganzen auch, wenn Sie Laptops betrachten. Natürlich sind sie viel kleiner und ermöglichen es, PCs in Situationen und an Orten zu verwenden, an denen dies mit einem Desktop-Rechner noch kaum möglich gewesen wäre, aber es ist eben doch ein miniaturisierter Personal-Computer für dessen Bedienung man die Personal-Computer-Denkweise an den Tag legen muss. Neben dieser Miniaturisierung des Personal-Computers gab es allerdings noch eine weitere Miniaturisierungs-Entwicklungslinie, die Geräte hervorgebracht hat, die eine eigene Geräteklasse mit eigener Bedienung und eigener Denkweise darstellen. Das vorübergehende Endprodukt dieser Entwicklung haben wahrscheinlich auch Sie in Ihrer Tasche stecken oder auf dem Tisch liegen. Die Entwicklungslinie der Miniaturisierung, die zum Smartphone geführt hat, möchte ich Ihnen in diesem letzten Abschnitt meines Buchs vorstellen.
Ein zentraler Aspekt heutiger Smartphones sind sicherlich die „Apps“, also die im Mittelpunkt stehenden Anwendungen. Jede App eines typischen Smartphone-Betriebssystems hat ihre eigene, klar abgegrenzte Funktion. Die beim PC so allgegenwärtigen Dateien, abgelegt in einer hierarchischen Dateiablage, kommen in der Nutzungsschnittstelle eines Smartphones im Prinzip nicht vor. Eine Notiz-App verwaltet die mit ihr erstellten Notizen, eine Musik-App die Musik, eine Textverarbeitungs-App die Dokumente. Notiz-Dateien, Text-Dateien oder Musik-Dateien gibt es in der Nutzungsschnittstellen-Welt nicht. Diese Einschränkung mag weniger flexibel sein, macht die Nutzung der Geräte aber auch viel einfacher, was der Akzeptanz der Technik zugutekommt. Viele Menschen, die von sich sagen, dass sie mit einem Computer nicht umgehen können, nutzen ganz selbstverständlich ein Smartphone und kommen ganz gut damit zurecht.
Natürlich wurden schon vor dem Smartphone Nutzungsschnittstellen erdacht, die es gerade den nicht-computeraffinen Nutzern ermöglichen sollten, von der Computertechnik zu profitieren. Sie haben zum Beispiel im Kapitel „Schreibtische und Fenster“ vom Xerox Star erfahren, dessen Zielgruppe Angestellte mit Bürotätigkeiten waren. Die Nutzungsweise, die die Xerox-Entwickler beim Star damals einführten, der Desktop und das dokumentzentrierte Arbeiten, war allerdings das absolute Gegenteil der App-Idee der Smartphones. Die Anwendungen standen beim Star nicht etwa im Vordergrund, sie kamen in seiner Nutzungsschnittstellen-Welt gar nicht vor. Den heutigen app-basierten Nutzungsschnittstellen viel näher kam da schon die typische Nutzungsweise des Apple II. Zwar konnte man den Apple II mit einem DOS starten und dann mittels Kommandozeile die Dateien auf Disketten verwalten, doch konnte man die Kommandozeile auch gänzlich meiden, wenn man sie nicht nutzen wollte. Wollte man etwa die Tabellenkalkulation VisiCalc nutzen, musste man keine Befehle eingeben, sondern nur die passende Diskette einlegen und den Computer starten. VisiCalc startete dann automatisch. Genauso hielt es jeder nennenswerte Software-Hersteller. Software wurde stets auf einer Diskette ausgeliefert, die so eingerichtet war, dass der Computer direkt mit ihr gestartet werden konnte. Man wählte also durch Auswahl der passenden Programmdiskette quasi seine „App“, um den modernen Ausdruck zu verwenden. Die Objektauswahl, also das Laden, Speichern oder gar Löschen von Dateien, übernahmen diese Programme jeweils für sich. Ich kann es natürlich nicht belegen, aber es scheint mir sehr plausibel, dass neben dem Vorhandensein von Programmen wie VisiCalc gerade diese Design-Entscheidung des automatischen Bootens in eine Anwendung hinein mit ein Grund dafür war, dass der Apple II für die Wirtschaftswelt attraktiv wurde, denn es war dadurch sehr einfach, einen Apple II für Tabellenkalkulation oder Textverarbeitung zu nutzen, ohne größere Computerkenntnisse haben zu müssen. Man musste sich nicht mit einem doch irgendwie kryptischen Betriebssystem herumplagen, sondern nur die Diskette mit dem richtigen Programm einlegen. Um alles Weitere kümmerte sich die Nutzungsschnittstelle des Anwendungsprogramms selbst, die im Gegensatz zum DOS die Potenziale der räumlichen Schnittstelle auszunutzen wusste.
Mobile Personal Computer
Nutzer aus Handel und Wirtschaft waren mit die ersten, die einen Sinn darin sahen, mobile Computer zu nutzen. Für einen Handlungsreisenden etwa hatte es einen großen Wert, die typische Büroarbeit auch an Ort und Stelle, im Hotel oder notfalls sogar im Auto erledigen zu können. Es wurden daher schon relativ früh mobile Personal Computer hergestellt. Auf diesen Rechnern liefen grundsätzlich die gleichen Betriebssysteme wie auf „großen“ Personal-Computern. Auf dem Osborne 1, den ich Ihnen gleich vorstellen möchte, lief zum Beispiel das damals verbreitete CP/M, das Sie im Kapitel über den Altair 8800 kennengelernt haben. Nutzer konnten eine CP/M-Diskette in das Diskettenlaufwerk des Osborne einlegen und dann mit der Tastatur und dem winzigen Bildschirm die Kommandozeile bedienen, doch genau wie beim Apple II konnte man diese doch eher technische Oberfläche auch großteils meiden, indem man ein Programm direkt startete.
Osborne 1 (1981)
Der Osborne 1 war meines Wissens nach der erste nennenswerte mobile Rechner für die Zielgruppe der Büroarbeiter. Zwar existierten durchaus schon vorher einige mobile Geräte, wie der IBM 5100 aus dem Jahr 1975 und der HP85 aus dem Jahr 1980, doch waren das noch keine Rechner, die wie ein PC mit Standard-Software ausgestattet werden konnten. Der IBM 5100 konnte Programme in den Programmiersprachen BASIC und PL/1 ausführen, die unter anderem auch auf IBMs großen Rechenanlagen verbreitet waren. Auch der HP85 bot dem Nutzer eine BASIC-Umgebung. Sein Schwerpunkt lag mit einem Kolonnendrucker4 und der Möglichkeit, am Bildschirm Funktionen auszuplotten vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Weder der IBM 5100 noch der HP85 waren dazu gedacht, unterwegs Briefe zu verfassen, Datenblätter in einer Tabellenkalkulation zu erstellen oder eine Adressdatenbank zu aktualisieren. Der Osborne hingegen war genau hierfür ausgelegt.
Der Osborne 1 erschien im Jahre 1981 kurz vor der Vorstellung des IBM PCs. Es handelte sich um einen voll ausgestatteten Rechner, der das etablierte Betriebssystem CP/M nutzen konnte. Dazu werkelte in dem Rechner eine zum Intel 8080 kompatible Zilog-80-CPU, die auch in vielen Heimcomputern der 1980er Jahre Verwendung fand. Osborne stattete den Computer mit 64 KB Speicher aus, was das Maximum dessen war, was mit CP/M und der Rechnerarchitektur möglich war. Der Rechner verfügte über eine voll ausgestattete Tastatur, die im Gegensatz zu vielen CP/M-Rechnern sogar über Pfeiltasten verfügte. Da es sich um einen Rechner für Büroarbeit handelte, gab es auch einen Nummernblock. Die Tastatur war gleichzeitig auch der Deckel des Computers. Zwei Diskettenlaufwerke gehörten ebenfalls mit zur Ausstattung. Der Schwachpunkt des Rechners war sicherlich sein Bildschirm. In der Mitte des großen, wuchtigen Gerätes befand sich ein mit 5 Zoll lächerlich kleiner monochromer Röhrenmonitor, der 24 Textzeilen à 52 Zeichen darstellen konnte. Heutige Smartphone-Displays sind in der Regel weitaus größer als dieser Bildschirm. Im stationären Betrieb musste man den Bildschirm nicht nutzen, denn das Gerät ermöglichte auch den Anschluss eines größeren Monitors. Der Osborne 1 wog etwa elf Kilogramm und war damit alles andere als ein Leichtgewicht. Es handelte sich zwar um einen mobilen Rechner, doch verstand man darunter damals etwas ganz anderes als das, was wir uns heute unter einem Mobilrechner vorstellen. Niemand hatte wohl den Anspruch, diesen Rechner ständig dabei zu haben wie ein Tablet oder ein Notebook, doch ein Handlungsreisender konnte den Osborne bequem im Auto transportieren, mit ins Hotel nehmen oder vielleicht bei einem Außendiensteinsatz beim Kunden auf einen Schreibtisch stellen und direkt vor Ort arbeiten. Eine Batterie hatte der Rechner nicht. Man war also auf eine 220 Volt- bzw. 110 Volt-Stromversorgung angewiesen.
Zentral für den Rechner war die mitgelieferte Software. Neben dem meist mit CP/M ausgelieferten MBASIC von Microsoft waren das die Tabellenkalkulation SuperCalc, die Textverarbeitung WordStar und die Datenbank dBase. Später waren auch drei Buchhaltungsprogramme mit im Paket. Dass Software mit dem Rechner ausgeliefert wurde, war bei CP/M-Systemen nicht unwichtig, denn zwar war das Betriebssystem ein gesetzter Standard, sodass grundsätzlich die Software, die auf einem CP/M-System lief, auch auf einem anderen zum Laufen gebracht werden konnte, doch zum einen gab es kein einheitliches Diskettenformat, sodass es nicht ohne großen Mehraufwand möglich war, die Programme, die etwa auf Altair-Disketten gespeichert waren, auf dem Osborne zu verwenden, und zum anderen unterschieden sich die Systeme oft sehr stark in ihren Terminal-Fähigkeiten. Im Kapitel „Terminals statt Fernschreiber“ haben Sie über die Vorteile von Bildschirmterminals gegenüber den alten Fernschreibern gelesen. Sie ermöglichten es, Objekte am Bildschirm direkt zu bearbeiten und an Ort und Stelle zu aktualisieren. Damit das realisierbar war, musste es möglich sein, die einzelnen Zeichen am Bildschirm direkt anzusteuern, zu löschen und zu überschreiben. Das geschah, indem spezielle Zeichen, sogenannte „Steuercodes“, an das Terminal geschickt wurden. Verschiedene Terminals verwendeten aber leider ganz verschiedene Steuercodes. Beim Osborne kam noch die eigenartige Zeilenlänge von 52 Zeichen hinzu. Verwendete man hier eine Software, die von 80 Zeichen ausging, wäre die Darstellung bestenfalls unvollständig, schlimmstenfalls völlig chaotisch gewesen.
Der Grund, warum ich den Osborne als einen der ersten Schritte zur Entstehung einer neuen Art von mobilen Computern ansehe, liegt zum einen in der recht typischen Auswahl der Software, die wir gleich bei nahezu allen Geräten wiederfinden werden. Zum anderen liegt es daran, wie die Firma Osborne die Programme auslieferte, denn wie beim Apple II musste sich niemand, der das nicht wollte, mit einer Kommandozeile herumplagen. Wollte man ein Datenblatt bearbeiten, galt es nur, die Diskette mit der entsprechenden „App“ einzulegen und den Rechner zu starten. Jede Diskette war so eingerichtet, dass sie ein Rumpf-Betriebssystem enthielt, also zum Starten des Rechners verwendet werden konnte und dann das jeweilige Anwendungsprogramm direkt startete. Das machte den Osborne in der Bedienung sehr einfach, viel einfacher als zum Beispiel den Compaq Portable von 1983, der mit einem viel größeren Bildschirm, mehr Speicher und mit MS-DOS ausgestattet war. Diesem Gerät stand zwar eine viel größere Software-Basis offen, die dank etablierter Standards auch von einem zum anderen Rechner weiterkopiert werden konnte, doch musste sich der Nutzer des Compaq mehr mit dem Betriebssystem MS-DOS auseinandersetzen, als es ihm vielleicht lieb war. Der Compaq Portable war kein Schritt zu PDA und Smartphone, sondern eher zum Notebook oder Laptop, das heutzutage unter Windows 10 oder MacOS betrieben wird.
EPSON PX-8 (1984)
Der Osborne 1 war ein mobiler Computer in dem Sinne, dass er nicht zwangsläufig ortsfest im Büro oder auf dem heimischen Schreibtisch stehen musste. Ein Gerät zum „Immer-Dabeihaben“ war er aber auch nicht. Doch auch solche Geräte gab es bereits in den 1980er Jahren. In der Abbildung sehen Sie den 1984er PX-8 von EPSON. Das Gerät hat in zugeklapptem Zustand etwa die Dicke eines Fachbuchs. Der Rechner findet also durchaus Platz in einer Aktentasche. Legte man den Rechner vor sich auf den Tisch, konnte man ein kleines Display ausklappen. Dann kommt auch ein Laufwerk für Mikrokassetten zum Vorschein. Solche Kassetten fanden in den 1980er, 1990er und auch noch in den frühen 2000er Jahren in Anrufbeantwortern und Diktiergeräten ihre Anwendung. Die Ausstattung des PX-8 war trotz des großen Unterschieds im Erscheinungsbild der des Osborne recht ähnlich. Auch hier war ein Z80-Prozessor verbaut und auch die Speicherausstattung von 64 KB war identisch. In einem kompakten, mobilen Gerät konnte aber natürlich nicht, wie beim Osborne oder einem Compaq Portable, eine Bildröhre verbaut werden. Stattdessen kam ein Flüssigkristall-Display zum Einsatz. Es erzeugte ein scharfes, kontrastreiches Bild und konnte 8 Zeilen Text à 80 Zeichen darstellen. 8 Zeilen sind zwar nicht viel, doch war das Display für Textverarbeitung unterwegs schon recht gut geeignet, denn die 8 Zeilen reichen durchaus, um ein wenig vom Textzusammenhang sehen zu können, und die Zeilenlänge von 80 Zeichen ermöglichte es, Text zu schreiben, ohne dass der Textausschnitt horizontal verschoben werden musste.
Auch EPSON setzte beim PX-8 auf das etablierte CP/M-Betriebssystem. Es musste hier allerdings nicht von einer Diskette oder gar von der Mikrokassette geladen werden, sondern war als ROM-Modul (Read-Only Memory) fest in den Rechner eingebaut. Zusätzlich dazu konnten zwei weitere Steckplätze mit Festspeichermodulen bestückt werden. Kunden konnten unter anderem die Textverarbeitung Portable WordStar, die Tabellenkalkulation Portable Calc, die Terminverwaltung Personal Scheduler oder die Datenbank dBase II wählen. Allerdings konnten stets nur zwei dieser Software-Module gleichzeitig eingesetzt werden.
Nutzer des PX-8 brauchten sich üblicherweise nicht mit ihrem Betriebssystem auseinanderzusetzen. Die Anwendungsprogramme konnten sie komfortabel über ein Menüsystem starten. Um die Dateiverwaltung kümmerten sich die Anwendungsprogramme größtenteils selbst. Die Nutzer kamen allerdings nicht ganz um die Eigenschaften des Dateisystemzugriffs von CP/M mit seinen Laufwerksbuchstaben herum. Gespeichert werden konnten Dateien auf den Mikrokassetten oder bei Anschluss eines externen Laufwerks auch auf Disketten. In vielen Fällen war das aber nicht notwendig, denn auch ganz ohne externe Speichermedien konnte der Rechner Dateien auf einer batteriegepufferten RAM-Disk intern speichern. RAM-Disk bedeutet, dass ein Teil des Arbeitsspeichers abgezwackt und so verwendet wird, als handelte es sich um einen Datenträger. Der Hauptvorteil einer RAM-Disk besteht darin, dass sie sehr schnell ist. Ihr großer Nachteil ist allerdings, dass der Speicherplatz, je nach Rechnerausstattung, sehr beschränkt ist und dass der Inhalt der RAM-Disk verloren geht, wenn die Stromversorgung abbricht. Nutzer des PX-8 taten also gut daran, ihre Datenbestände regelmäßig auf persistentere Speichermedien zu sichern.
Pocket-Computer
In der Tradition der einfachen, mobilen Rechner wie dem PX-8 stehen die Pocket-Computer der späten 1980er Jahre. Diese Rechner, die mitunter auch unter dem Begriff „Palmtop PC“ bekannt waren, waren vom Funktionsumfang dem PX-8 ziemlich ähnlich, wurden aber soweit verkleinert, dass man sie in einer etwas größeren Jackentasche unterbringen konnte.
Atari Portfolio (1989)
Das erste Gerät dieser Art war der hier abgebildete Atari Portfolio, den Atari selbst als „16 Bit Personal Computer“ beschrieb. Er wurde 1989 auf den Markt gebracht und kostete damals 399,95 Dollar (in 2021er Kaufkraft etwa 866 Dollar). Er hatte etwa die Größe einer VHS-Video-Kassette und wog ca. 500 Gramm. Obwohl der Rechner die Marke Atari trug wurde, lief auf ihm nicht etwa das TOS des Atari ST, sondern das viel einfachere DIP DOS, ein Betriebssystem, das größtenteils mit Microsofts MS-DOS kompatibel war. Es handelte sich technisch hier also in der Tat um einen kleinen IBM-PC-kompatiblen Rechner. Mit seiner Hardware-Ausstattung, einem Intel 80C88 mit 4,92 MHz und 128 KB Arbeitsspeicher war er in etwa so leistungsfähig wie der Ur-PC von IBM aus dem Jahre 1981. In einem so kleinen Gehäuse war das durchaus ordentlich. Gegenüber dem IBM PC eingeschränkt war natürlich wieder einmal der Bildschirm. Auf dem Flüssigkristall-Display fanden nur 8 Textzeilen à 40 Zeichen Platz.
Genau wie beim PX-8 musste man die Software des Portfolio nicht von einem Datenträger laden, denn sie war auf einem ROM-Chip in das Gerät fest eingebaut. Per Menü erreichbar war eine Adressverwaltung (samt Telefon-Wählhilfe5), eine Terminverwaltung, ein Wecker, ein einfacher Texteditor als Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation und ein Taschenrechner. All diese Software und das DIP-DOS-System fanden auf einem 256 KB Daten fassenden ROM-Chip Platz. Wie beim PX-8 war es nicht nötig, den Kommandozeilen-Interpreter zu nutzen. Die Programme konnten per Menü und sogar per Tastendruck direkt von der Tastatur aus gestartet werden. Ebenso wie der PX-8 konnte der Portfolio Daten auf einer integrierten RAM-Disk speichern. Der Platz dort war jedoch stark beschränkt. Als externe Speichermedien standen daher Speicherkarten nach dem Bee-Card-Standard zur Verfügung. Diese Karten hatten etwa die Größe einer Karte eines handelsüblichen Kartenspiels oder einer Kreditkarte, waren allerdings etwa so dick wie ein Bierdeckel. Das Bild oben zeigt eine solche Karte, die sage und schreibe 32 KB Daten fassen konnte. Die Karte sieht ein bisschen aus, wie eine zu groß geratene SD-Speicherkarte, wie man sie heute in digitalen Kameras verwendet. Die Technik ist jedoch eine ganz andere, denn die heute verwendete Flash-Speicher-Technik stand damals im Massenmarkt noch nicht zur Verfügung. Die Speicherkarten enthielten daher eine Knopfzellen-Batterie und eine Elektronik, die die eingebauten Speicherzellen dauerhaft mit Strom versorgte. Auf vergleichbaren Karten, allerdings in einer stromlosen Festspeicherversion, konnte auch Zusatz-Software wie etwa ein Schachspiel und eine Finanz-Software erworben werden. Diese Software-Module verfügten nur über einen Festspeicher-Chip, brauchten also keine Pufferbatterie. Zusatzmodule verbanden den kleinen Rechner über eine serielle Schnittstelle mit einem PC, einem Modem oder einem Drucker.
Der Portfolio blieb nicht das einzige Gerät seiner Klasse. Aus dem Jahr 1991 etwa stammt der HP 95LX von Hewlett Packard. Er war dem Portfolio in Sachen Ausstattung und Funktionsumfang ziemlich ähnlich, hatte allerdings mehr Speicher und einen Bildschirm, der 16 Zeilen anzeigen konnte, was den Rechner sicher für Aufgaben wie Tabellenkalkulation besser geeignet machte, bei denen ein wenig Überblick über das Tabellenblatt ja hilfreich ist. Springen wir noch ein paar Jahre weiter ins Jahr 1994, findet man den HP 200LX, der nun eine CGA-kompatible Grafikausgabe aufweist, allerdings auf einem Flüssigkristall-Display in Graustufen. Mit dem Gerät wurde es möglich volle 25 Zeilen à 80 Zeichen Text anzuzeigen.
Frühe PDAs
Viele der kleinen, mobilen Computer, die ich Ihnen soeben vorgestellt habe, werden heute nachträglich der in den 1990ern populären Geräteklasse der PDAs (Personal Digital Assistants) zugeordnet. Diesen Begriff gab es damals so allerdings noch nicht. Er kam erst mit Apples Newton auf, den ich Ihnen erst im folgenden Kapitel vorstellen werde.
Mit den PDAs wird, zumindest meinem Verständnis der Computergeschichte entsprechend, die eingangs beschriebene neue Charakteristik deutlich. Sie sind keine miniaturisierten PCs, sondern etwas eigenes mit eigener Nutzungsschnittstellen-Welt. Trifft das hier schon zu? Die vorgestellten Geräte stehen bei der Beantwortung dieser Frage auf einer Grenze. Der klobige Osborne 1 ist wohl am ehesten noch eine transportable Version eines typischen CP/M-basierten Computersystems seiner Zeit. Die Geräte, die ich Ihnen danach gezeigt habe, sind allesamt nicht nur kompakter, ihre Bedienung ist auch weit weniger PC-artig. Man muss keine Software mehr von Disketten laden, muss den Kommandozeilen-Interpreter nicht nutzen und hat insgesamt sehr wenig mit dem Betriebssystem zu tun, da die mitgelieferte Software und ihre Nutzungsschnittstellen im Vordergrund stehen. Dahinter stehen aber nach wie vor noch die Standard-Betriebssysteme CP/M oder DOS. Die Software der Systeme ist PC-Standard-Software, wenn auch manchmal ein kleines bisschen an die kleinen Geräte angepasst. Am offensichtlichsten wird das in der Art und Weise, mit der innerhalb der Anwendungen die Dateien geladen und gespeichert werden, denn spätestens an dieser Stelle schlägt das Dateisystem des Betriebssystems mit seinen Laufwerksbuchstaben und Pfaden auf die Nutzungsschnittstelle durch. Die genannten Computer sind wichtige Schritte zum Personal Digital Assistant, ich würde ihnen das Etikett selbst aber noch nicht anheften, denn meiner Meinung nach fehlt der wichtige Schritt einer komplett eigenen Nutzungsschnittstelle, die nicht mehr auf CP/M oder DOS aufbaut und damit auch deren Charakteristika nicht mehr teilt. Erste Schritte in eine solche Richtung wurden bereits Mitte der 1980er Jahre gemacht.
PSION Organiser
Einer der ersten mobilen Computer, der nicht auf einem PC-Betriebssystem basierte, war der PSION Organiser von 1984. Der Rechner hatte die Anmutung eines zu groß und vor allem zu dick geratenen Taschenrechners. Das Gerät verfügte zur Ausgabe nur über eine einzige Zeile mit 16 Zeichen. Damit und mit dem sehr kleinen Speicher von 2 KB waren die Einsatzmöglichkeiten natürlich beschränkt. In seiner Grundausstattung bot das Gerät nur eine sehr minimalistische Datenbank, eine Uhr und eine Taschenrechnerfunktionalität. Weitere Funktionen konnten durch Anstecken von Modulen, die zusätzlich erworben werden konnten, verfügbar gemacht werden. Unter diesen gab es auch ein Modul mit einer einfachen Programmiersprache mit dem zumindest im Deutschen ungeschickten Namen POPL.
Schon praktischer im Einsatz war die zweite Ausgabe des Organisers aus dem Jahre 1986, die zunächst mit zwei-, später mit drei- und vierzeiligem Display aufwartete. Besonders beliebt waren diese Organiser in Betrieben, in denen es galt, viele Daten zu erfassen. Die Geräte waren nahezu unverwüstlich und konnten mit Erweiterungsmodulen gut mit Schnittstellen und Eingabegeräten wie Barcode-Scannern verbunden werden.
Gegenüber den oben genannten Pocket-PCs waren PSIONs Organiser natürlich eingeschränkt. Das hatte aber den Vorteil, dass ihre Nutzungsschnittstelle natürlich zwangsläufig einfacher war. Zum Einsatz kam nun nicht mehr Standard-Software aus dem PC-Bereich, sondern Software mit Nutzungsschnittstellen, die extra für diese Geräteklasse entwickelt wurden.
PSION Series 3 (1993)
Die Nachfolgegeräte des PSION Organiser II verloren den Namensteil Organiser, was eigentlich ein wenig merkwürdig ist, denn die Geräte ab der Series 3 im Jahre 1993 unterstützten eigentlich viel mehr als vorher die Aufgaben, für die man klassischerweise Papier-Organiser nutzte. Die Geräte glichen vom äußeren Aufbau mehr den zuvor erläuterten Pocket-Computern als dem frühen EPSON-Organiser. Im Gegensatz zu den Pocket PCs kam nun aber kein CP/M oder MS-DOS mehr zum Einsatz, sondern ein eigens neu entwickeltes System namens EPOC. Auf der Abbildung sehen Sie EPOC im Einsatz auf einem Series-3a-Gerät. Das Gerät bot die schon bekannten Anwendungen für Kalender, Datenbank und Taschenrechner, aber auch Tabellenkalkulation und Textverarbeitung. Mit der Programmiersprache OPL konnten eigene Anwendungen für die Geräte geschrieben werden, die auch auf alle grafischen Fähigkeiten der Nutzungsschnittstelle zugreifen konnten.
Die Abbildung verdeutlicht gut eines der interessanten Eigenschaften der Nutzungsschnittstelle der Series 3. Anders als bei den PC-Betriebssystemen liegt dem EPOC kein für den Nutzer sichtbares Dateisystem zugrunde. Es gibt daher kein dem Explorer oder Finder entsprechendes Programm zur Verwaltung von Dateien. In den Anwendungsprogrammen gibt es dementsprechend auch kein Äquivalent eines allgemeinen Öffnen- und Speichern-Dialogs. Die Anwendungen selbst verwalten vielmehr die mit ihnen erstellten Dokumente und bieten sie auf geeignete Weise an. Die Nutzungsschnittstelle der Series-3-Geräte weist dabei ein Feature auf, das es in späteren Geräten nicht mehr gab und das es so meines Wissens nach auch bei keinem anderen PDA oder Smartphone je gab. Sie haben auf der Hauptübersicht nicht nur die Anwendungen wie „Address“ oder „Accounts“, sondern auch die mit dieser Anwendung zuletzt verwendeten Objekte direkt im Angebot. Diese Objekte konnten mit den Pfeiltasten direkt ausgewählt und durch „Enter“ geöffnet werden. Dieser Mechanismus verdeutlicht nicht nur anschaulich die Zuordnung dieser Nutzungsobjekte zu ihren Anwendungen, sondern war zudem noch eine sehr praktische Abkürzung und eine praktische Übersicht.
Die Geräte von PSION und anderen Herstellern vollzogen den eingangs angedeuteten Schritt von einer Geräteklasse zur anderen. Sie sind das Produkt von Miniaturisierung, aber sie sind nicht einfach nur verkleinerte Desktop-PCs, sondern etwas anderes. PC-typisch ist noch der Grundaufbau des Geräts mit Tastatur und Bildschirm. Auch dieser sollte sich in den 1990ern mit dem Apple Newton und den Palm-PDAs ändern.