Vom PDA zum Smartphone

Die Computergeschichte, die ich Ihnen bis hierher erzählt habe, führte, unter anderem, zu dem Desktop-PC, den Sie bei sich zu Hause oder im Büro stehen haben, oder zu dem Laptop, den Sie vielleicht mit sich herumtragen. Diese Computer machen aber einen eher kleinen Teil des heutigen Computermarkts aus. Statistiken zeigen, dass im Jahr 2019 etwa 260 Millionen solcher PCs verkauft wurden1. Dem stehen im gleichen Jahr sage und schreibe 1,6 Milliarden verkaufte Smartphones und Tablets gegenüber2. Unter diesen machen die Smartphones natürlich den größten Teil aus, doch selbst die Anzahl der verkauften Tablet-Computer allein ist größer als die der Desktop-PCs und Laptops zusammengenommen.

Die technische Grundlage der heutigen Betriebssysteme für Tablets und Smartphones bilden Linux (Android) und Unix (iOS und iPadOS). Die Nutzungsschnittstellen dieser Systeme haben aber eine ganz andere Charakteristik als die Unix- und Linux-Systeme mit ihren hierarchischen Dateisystemen und komplexen Shells und Desktop-Oberflächen. Unter Unix, Linux, aber auch unter Windows und MacOS spielt die Dateiablage eine extrem große Rolle. Die Programme zum Zugriff auf die Dateiablagen sind in allen Systemen zentrales, wenn nicht sogar das wichtigste Element der Nutzungsschnittstelle. Die Nutzungswelten von Android, iOS und iPadOS kennen solche zentralen Ablagen nicht oder allenfalls als Zusatzoption 3. Im Vordergrund der Systeme stehen die Anwendungen, neuerdings Apps genannt. Die Apps verwalten ihre Inhaltsobjekte selbst. Was heißt das konkret? Nehmen wir Apples Textverarbeitung Pages, die sowohl auf dem Mac, als auch für iPad und iPhone verfügbar ist. Wie öffnen Sie eine Datei in Pages? Auf dem Mac haben Sie mindestens zwei Möglichkeiten. Sie können entweder die Anwendung Pages öffnen, dann im Menü „Ablage“ (entspricht „Datei“ bei Windows) „Öffnen“ wählen und die Datei auswählen oder Sie verwenden den Dateimanager Finder, suchen die Datei und öffnen Sie durch einen Doppelklick von dort aus. In beiden Fällen spielt die zentrale Dateiablage eine große Rolle. Das Textdokument wird in dieser Dateiablage als eigenständiges, von der Anwendung Pages unabhängiges Objekt angezeigt. Wenn Sie Pages jedoch auf einem iPhone oder einem iPad verwenden, geschieht dies zunächst einmal wie im erstgenannten Fall. Sie öffnen die App – in der Regel durch Antippen des App-Icons auf einem Startbildschirm oder in der App-Übersicht. Nun öffnen Sie aber nicht wie oben eine extern verfügbare Datei. Vielmehr zeigt Ihnen Pages selbst alle Dokumente an, die es unter seiner Verwaltung hat. Sie müssen nie auf „Öffnen“ oder „Speichern“ klicken, sondern wählen einfach das Dokument aus, um das es Ihnen geht, bearbeiten es und wenn Sie damit fertig sind, schließen Sie die App oder wechseln zu einer anderen. Laden und Speichern geschieht jeweils implizit ohne Ihr Zutun.

Dass sich Smartphone- und Tablet-Betriebssysteme und -Anwendungen so anders bedienen als die klassischen PC-Systeme, kommt nicht von ungefähr. Smartphones und die moderne Generation von Tablet-Computern mit Android oder iPadOS, die sich als größere, vielseitigere Spielart des Smartphones entwickelt haben, stehen in einer ganz anderen Tradition als die des PC mit seinen Wurzeln in den Time-Sharing-Systemen und den Pionierarbeiten des Xerox PARC in den 1970ern.

Computer für unterwegs

Die Geschichte der Nutzungsschnittstellen des Computers, wie ich sie Ihnen in diesem Buch vorgestellt habe, war letztlich immer auch eine Geschichte der Miniaturisierung, von den Großrechnern über Minicomputer bis hin zu den Personal Computern. Die Miniaturisierung bedeutete oft weit mehr, als dass die Geräte kleiner wurden. Ein moderner PC ist keine kleine Version eines ENIAC oder einer Zuse Z3. Es handelt sich um Maschinen mit ganz unterschiedlicher Charakteristik. Sie werden ganz anders bedient und auch für ganz andere Zwecke verwendet. Das ist aber natürlich nicht bei jeder Miniaturisierung so. Verwendet man statt eines Desktop-PCs einen kleinen kompakten PC in der Größe eines Buches, gibt es keinen wirklich signifikanten Unterschied. Das Gleiche gilt im Großen und Ganzen auch, wenn Sie Laptops betrachten. Natürlich sind sie viel kleiner und ermöglichen es, PCs in Situationen und an Orten zu verwenden, an denen dies mit einem Desktop-Rechner noch kaum möglich gewesen wäre, aber es ist eben doch ein miniaturisierter Personal-Computer für dessen Bedienung man die Personal-Computer-Denkweise an den Tag legen muss. Neben dieser Miniaturisierung des Personal-Computers gab es allerdings noch eine weitere Miniaturisierungs-Entwicklungslinie, die Geräte hervorgebracht hat, die eine eigene Geräteklasse mit eigener Bedienung und eigener Denkweise darstellen. Das vorübergehende Endprodukt dieser Entwicklung haben wahrscheinlich auch Sie in Ihrer Tasche stecken oder auf dem Tisch liegen. Die Entwicklungslinie der Miniaturisierung, die zum Smartphone geführt hat, möchte ich Ihnen in diesem letzten Abschnitt meines Buchs vorstellen.

Ein zentraler Aspekt heutiger Smartphones sind sicherlich die „Apps“, also die im Mittelpunkt stehenden Anwendungen. Jede App eines typischen Smartphone-Betriebssystems hat ihre eigene, klar abgegrenzte Funktion. Die beim PC so allgegenwärtigen Dateien, abgelegt in einer hierarchischen Dateiablage, kommen in der Nutzungsschnittstelle eines Smartphones im Prinzip nicht vor. Eine Notiz-App verwaltet die mit ihr erstellten Notizen, eine Musik-App die Musik, eine Textverarbeitungs-App die Dokumente. Notiz-Dateien, Text-Dateien oder Musik-Dateien gibt es in der Nutzungsschnittstellen-Welt nicht. Diese Einschränkung mag weniger flexibel sein, macht die Nutzung der Geräte aber auch viel einfacher, was der Akzeptanz der Technik zugutekommt. Viele Menschen, die von sich sagen, dass sie mit einem Computer nicht umgehen können, nutzen ganz selbstverständlich ein Smartphone und kommen ganz gut damit zurecht.

Natürlich wurden schon vor dem Smartphone Nutzungsschnittstellen erdacht, die es gerade den nicht-computeraffinen Nutzern ermöglichen sollten, von der Computertechnik zu profitieren. Sie haben zum Beispiel im Kapitel „Schreibtische und Fenster“ vom Xerox Star erfahren, dessen Zielgruppe Angestellte mit Bürotätigkeiten waren. Die Nutzungsweise, die die Xerox-Entwickler beim Star damals einführten, der Desktop und das dokumentzentrierte Arbeiten, war allerdings das absolute Gegenteil der App-Idee der Smartphones. Die Anwendungen standen beim Star nicht etwa im Vordergrund, sie kamen in seiner Nutzungsschnittstellen-Welt gar nicht vor. Den heutigen app-basierten Nutzungsschnittstellen viel näher kam da schon die typische Nutzungsweise des Apple II. Zwar konnte man den Apple II mit einem DOS starten und dann mittels Kommandozeile die Dateien auf Disketten verwalten, doch konnte man die Kommandozeile auch gänzlich meiden, wenn man sie nicht nutzen wollte. Wollte man etwa die Tabellenkalkulation VisiCalc nutzen, musste man keine Befehle eingeben, sondern nur die passende Diskette einlegen und den Computer starten. VisiCalc startete dann automatisch. Genauso hielt es jeder nennenswerte Software-Hersteller. Software wurde stets auf einer Diskette ausgeliefert, die so eingerichtet war, dass der Computer direkt mit ihr gestartet werden konnte. Man wählte also durch Auswahl der passenden Programmdiskette quasi seine „App“, um den modernen Ausdruck zu verwenden. Die Objektauswahl, also das Laden, Speichern oder gar Löschen von Dateien, übernahmen diese Programme jeweils für sich. Ich kann es natürlich nicht belegen, aber es scheint mir sehr plausibel, dass neben dem Vorhandensein von Programmen wie VisiCalc gerade diese Design-Entscheidung des automatischen Bootens in eine Anwendung hinein mit ein Grund dafür war, dass der Apple II für die Wirtschaftswelt attraktiv wurde, denn es war dadurch sehr einfach, einen Apple II für Tabellenkalkulation oder Textverarbeitung zu nutzen, ohne größere Computerkenntnisse haben zu müssen. Man musste sich nicht mit einem doch irgendwie kryptischen Betriebssystem herumplagen, sondern nur die Diskette mit dem richtigen Programm einlegen. Um alles Weitere kümmerte sich die Nutzungsschnittstelle des Anwendungsprogramms selbst, die im Gegensatz zum DOS die Potenziale der räumlichen Schnittstelle auszunutzen wusste.

Mobile Personal Computer

Nutzer aus Handel und Wirtschaft waren mit die ersten, die einen Sinn darin sahen, mobile Computer zu nutzen. Für einen Handlungsreisenden etwa hatte es einen großen Wert, die typische Büroarbeit auch an Ort und Stelle, im Hotel oder notfalls sogar im Auto erledigen zu können. Es wurden daher schon relativ früh mobile Personal Computer hergestellt. Auf diesen Rechnern liefen grundsätzlich die gleichen Betriebssysteme wie auf „großen“ Personal-Computern. Auf dem Osborne 1, den ich Ihnen gleich vorstellen möchte, lief zum Beispiel das damals verbreitete CP/M, das Sie im Kapitel über den Altair 8800 kennengelernt haben. Nutzer konnten eine CP/M-Diskette in das Diskettenlaufwerk des Osborne einlegen und dann mit der Tastatur und dem winzigen Bildschirm die Kommandozeile bedienen, doch genau wie beim Apple II konnte man diese doch eher technische Oberfläche auch großteils meiden, indem man ein Programm direkt startete.

Osborne 1 (1981)

Der Osborne 1 war meines Wissens nach der erste nennenswerte mobile Rechner für die Zielgruppe der Büroarbeiter. Zwar existierten durchaus schon vorher einige mobile Geräte, wie der IBM 5100 aus dem Jahr 1975 und der HP85 aus dem Jahr 1980, doch waren das noch keine Rechner, die wie ein PC mit Standard-Software ausgestattet werden konnten. Der IBM 5100 konnte Programme in den Programmiersprachen BASIC und PL/1 ausführen, die unter anderem auch auf IBMs großen Rechenanlagen verbreitet waren. Auch der HP85 bot dem Nutzer eine BASIC-Umgebung. Sein Schwerpunkt lag mit einem Kolonnendrucker4 und der Möglichkeit, am Bildschirm Funktionen auszuplotten vor allem im wissenschaftlichen Bereich. Weder der IBM 5100 noch der HP85 waren dazu gedacht, unterwegs Briefe zu verfassen, Datenblätter in einer Tabellenkalkulation zu erstellen oder eine Adressdatenbank zu aktualisieren. Der Osborne hingegen war genau hierfür ausgelegt.

Osborne 1 von 1981 – Bild: Bilby (CC BY 3.0), farbkorrigiert
Osborne 1 von 1981 – Bild: Bilby (CC BY 3.0), farbkorrigiert

Der Osborne 1 erschien im Jahre 1981 kurz vor der Vorstellung des IBM PCs. Es handelte sich um einen voll ausgestatteten Rechner, der das etablierte Betriebssystem CP/M nutzen konnte. Dazu werkelte in dem Rechner eine zum Intel 8080 kompatible Zilog-80-CPU, die auch in vielen Heimcomputern der 1980er Jahre Verwendung fand. Osborne stattete den Computer mit 64 KB Speicher aus, was das Maximum dessen war, was mit CP/M und der Rechnerarchitektur möglich war. Der Rechner verfügte über eine voll ausgestattete Tastatur, die im Gegensatz zu vielen CP/M-Rechnern sogar über Pfeiltasten verfügte. Da es sich um einen Rechner für Büroarbeit handelte, gab es auch einen Nummernblock. Die Tastatur war gleichzeitig auch der Deckel des Computers. Zwei Diskettenlaufwerke gehörten ebenfalls mit zur Ausstattung. Der Schwachpunkt des Rechners war sicherlich sein Bildschirm. In der Mitte des großen, wuchtigen Gerätes befand sich ein mit 5 Zoll lächerlich kleiner monochromer Röhrenmonitor, der 24 Textzeilen à 52 Zeichen darstellen konnte. Heutige Smartphone-Displays sind in der Regel weitaus größer als dieser Bildschirm. Im stationären Betrieb musste man den Bildschirm nicht nutzen, denn das Gerät ermöglichte auch den Anschluss eines größeren Monitors. Der Osborne 1 wog etwa elf Kilogramm und war damit alles andere als ein Leichtgewicht. Es handelte sich zwar um einen mobilen Rechner, doch verstand man darunter damals etwas ganz anderes als das, was wir uns heute unter einem Mobilrechner vorstellen. Niemand hatte wohl den Anspruch, diesen Rechner ständig dabei zu haben wie ein Tablet oder ein Notebook, doch ein Handlungsreisender konnte den Osborne bequem im Auto transportieren, mit ins Hotel nehmen oder vielleicht bei einem Außendiensteinsatz beim Kunden auf einen Schreibtisch stellen und direkt vor Ort arbeiten. Eine Batterie hatte der Rechner nicht. Man war also auf eine 220 Volt- bzw. 110 Volt-Stromversorgung angewiesen.

Zentral für den Rechner war die mitgelieferte Software. Neben dem meist mit CP/M ausgelieferten MBASIC von Microsoft waren das die Tabellenkalkulation SuperCalc, die Textverarbeitung WordStar und die Datenbank dBase. Später waren auch drei Buchhaltungsprogramme mit im Paket. Dass Software mit dem Rechner ausgeliefert wurde, war bei CP/M-Systemen nicht unwichtig, denn zwar war das Betriebssystem ein gesetzter Standard, sodass grundsätzlich die Software, die auf einem CP/M-System lief, auch auf einem anderen zum Laufen gebracht werden konnte, doch zum einen gab es kein einheitliches Diskettenformat, sodass es nicht ohne großen Mehraufwand möglich war, die Programme, die etwa auf Altair-Disketten gespeichert waren, auf dem Osborne zu verwenden, und zum anderen unterschieden sich die Systeme oft sehr stark in ihren Terminal-Fähigkeiten. Im Kapitel „Terminals statt Fernschreiber“ haben Sie über die Vorteile von Bildschirmterminals gegenüber den alten Fernschreibern gelesen. Sie ermöglichten es, Objekte am Bildschirm direkt zu bearbeiten und an Ort und Stelle zu aktualisieren. Damit das realisierbar war, musste es möglich sein, die einzelnen Zeichen am Bildschirm direkt anzusteuern, zu löschen und zu überschreiben. Das geschah, indem spezielle Zeichen, sogenannte „Steuercodes“, an das Terminal geschickt wurden. Verschiedene Terminals verwendeten aber leider ganz verschiedene Steuercodes. Beim Osborne kam noch die eigenartige Zeilenlänge von 52 Zeichen hinzu. Verwendete man hier eine Software, die von 80 Zeichen ausging, wäre die Darstellung bestenfalls unvollständig, schlimmstenfalls völlig chaotisch gewesen.

Der Grund, warum ich den Osborne als einen der ersten Schritte zur Entstehung einer neuen Art von mobilen Computern ansehe, liegt zum einen in der recht typischen Auswahl der Software, die wir gleich bei nahezu allen Geräten wiederfinden werden. Zum anderen liegt es daran, wie die Firma Osborne die Programme auslieferte, denn wie beim Apple II musste sich niemand, der das nicht wollte, mit einer Kommandozeile herumplagen. Wollte man ein Datenblatt bearbeiten, galt es nur, die Diskette mit der entsprechenden „App“ einzulegen und den Rechner zu starten. Jede Diskette war so eingerichtet, dass sie ein Rumpf-Betriebssystem enthielt, also zum Starten des Rechners verwendet werden konnte und dann das jeweilige Anwendungsprogramm direkt startete. Das machte den Osborne in der Bedienung sehr einfach, viel einfacher als zum Beispiel den Compaq Portable von 1983, der mit einem viel größeren Bildschirm, mehr Speicher und mit MS-DOS ausgestattet war. Diesem Gerät stand zwar eine viel größere Software-Basis offen, die dank etablierter Standards auch von einem zum anderen Rechner weiterkopiert werden konnte, doch musste sich der Nutzer des Compaq mehr mit dem Betriebssystem MS-DOS auseinandersetzen, als es ihm vielleicht lieb war. Der Compaq Portable war kein Schritt zu PDA und Smartphone, sondern eher zum Notebook oder Laptop, das heutzutage unter Windows 10 oder MacOS betrieben wird.

EPSON PX-8 (1984)

Der Osborne 1 war ein mobiler Computer in dem Sinne, dass er nicht zwangsläufig ortsfest im Büro oder auf dem heimischen Schreibtisch stehen musste. Ein Gerät zum „Immer-Dabeihaben“ war er aber auch nicht. Doch auch solche Geräte gab es bereits in den 1980er Jahren. In der Abbildung sehen Sie den 1984er PX-8 von EPSON. Das Gerät hat in zugeklapptem Zustand etwa die Dicke eines Fachbuchs. Der Rechner findet also durchaus Platz in einer Aktentasche. Legte man den Rechner vor sich auf den Tisch, konnte man ein kleines Display ausklappen. Dann kommt auch ein Laufwerk für Mikrokassetten zum Vorschein. Solche Kassetten fanden in den 1980er, 1990er und auch noch in den frühen 2000er Jahren in Anrufbeantwortern und Diktiergeräten ihre Anwendung. Die Ausstattung des PX-8 war trotz des großen Unterschieds im Erscheinungsbild der des Osborne recht ähnlich. Auch hier war ein Z80-Prozessor verbaut und auch die Speicherausstattung von 64 KB war identisch. In einem kompakten, mobilen Gerät konnte aber natürlich nicht, wie beim Osborne oder einem Compaq Portable, eine Bildröhre verbaut werden. Stattdessen kam ein Flüssigkristall-Display zum Einsatz. Es erzeugte ein scharfes, kontrastreiches Bild und konnte 8 Zeilen Text à 80 Zeichen darstellen. 8 Zeilen sind zwar nicht viel, doch war das Display für Textverarbeitung unterwegs schon recht gut geeignet, denn die 8 Zeilen reichen durchaus, um ein wenig vom Textzusammenhang sehen zu können, und die Zeilenlänge von 80 Zeichen ermöglichte es, Text zu schreiben, ohne dass der Textausschnitt horizontal verschoben werden musste.

Epson PX-8
Epson PX-8

Auch EPSON setzte beim PX-8 auf das etablierte CP/M-Betriebssystem. Es musste hier allerdings nicht von einer Diskette oder gar von der Mikrokassette geladen werden, sondern war als ROM-Modul (Read-Only Memory) fest in den Rechner eingebaut. Zusätzlich dazu konnten zwei weitere Steckplätze mit Festspeichermodulen bestückt werden. Kunden konnten unter anderem die Textverarbeitung Portable WordStar, die Tabellenkalkulation Portable Calc, die Terminverwaltung Personal Scheduler oder die Datenbank dBase II wählen. Allerdings konnten stets nur zwei dieser Software-Module gleichzeitig eingesetzt werden.

Nutzer des PX-8 brauchten sich üblicherweise nicht mit ihrem Betriebssystem auseinanderzusetzen. Die Anwendungsprogramme konnten sie komfortabel über ein Menüsystem starten. Um die Dateiverwaltung kümmerten sich die Anwendungsprogramme größtenteils selbst. Die Nutzer kamen allerdings nicht ganz um die Eigenschaften des Dateisystemzugriffs von CP/M mit seinen Laufwerksbuchstaben herum. Gespeichert werden konnten Dateien auf den Mikrokassetten oder bei Anschluss eines externen Laufwerks auch auf Disketten. In vielen Fällen war das aber nicht notwendig, denn auch ganz ohne externe Speichermedien konnte der Rechner Dateien auf einer batteriegepufferten RAM-Disk intern speichern. RAM-Disk bedeutet, dass ein Teil des Arbeitsspeichers abgezwackt und so verwendet wird, als handelte es sich um einen Datenträger. Der Hauptvorteil einer RAM-Disk besteht darin, dass sie sehr schnell ist. Ihr großer Nachteil ist allerdings, dass der Speicherplatz, je nach Rechnerausstattung, sehr beschränkt ist und dass der Inhalt der RAM-Disk verloren geht, wenn die Stromversorgung abbricht. Nutzer des PX-8 taten also gut daran, ihre Datenbestände regelmäßig auf persistentere Speichermedien zu sichern.

Pocket-Computer

In der Tradition der einfachen, mobilen Rechner wie dem PX-8 stehen die Pocket-Computer der späten 1980er Jahre. Diese Rechner, die mitunter auch unter dem Begriff „Palmtop PC“ bekannt waren, waren vom Funktionsumfang dem PX-8 ziemlich ähnlich, wurden aber soweit verkleinert, dass man sie in einer etwas größeren Jackentasche unterbringen konnte.

Atari Portfolio (1989)

Das erste Gerät dieser Art war der hier abgebildete Atari Portfolio, den Atari selbst als „16 Bit Personal Computer“ beschrieb. Er wurde 1989 auf den Markt gebracht und kostete damals 399,95 Dollar (in 2021er Kaufkraft etwa 866 Dollar). Er hatte etwa die Größe einer VHS-Video-Kassette und wog ca. 500 Gramm. Obwohl der Rechner die Marke Atari trug wurde, lief auf ihm nicht etwa das TOS des Atari ST, sondern das viel einfachere DIP DOS, ein Betriebssystem, das größtenteils mit Microsofts MS-DOS kompatibel war. Es handelte sich technisch hier also in der Tat um einen kleinen IBM-PC-kompatiblen Rechner. Mit seiner Hardware-Ausstattung, einem Intel 80C88 mit 4,92 MHz und 128 KB Arbeitsspeicher war er in etwa so leistungsfähig wie der Ur-PC von IBM aus dem Jahre 1981. In einem so kleinen Gehäuse war das durchaus ordentlich. Gegenüber dem IBM PC eingeschränkt war natürlich wieder einmal der Bildschirm. Auf dem Flüssigkristall-Display fanden nur 8 Textzeilen à 40 Zeichen Platz.

Atari Portfolio
Atari Portfolio

Genau wie beim PX-8 musste man die Software des Portfolio nicht von einem Datenträger laden, denn sie war auf einem ROM-Chip in das Gerät fest eingebaut. Per Menü erreichbar war eine Adressverwaltung (samt Telefon-Wählhilfe5), eine Terminverwaltung, ein Wecker, ein einfacher Texteditor als Textverarbeitung, eine Tabellenkalkulation und ein Taschenrechner. All diese Software und das DIP-DOS-System fanden auf einem 256 KB Daten fassenden ROM-Chip Platz. Wie beim PX-8 war es nicht nötig, den Kommandozeilen-Interpreter zu nutzen. Die Programme konnten per Menü und sogar per Tastendruck direkt von der Tastatur aus gestartet werden. Ebenso wie der PX-8 konnte der Portfolio Daten auf einer integrierten RAM-Disk speichern. Der Platz dort war jedoch stark beschränkt. Als externe Speichermedien standen daher Speicherkarten nach dem Bee-Card-Standard zur Verfügung. Diese Karten hatten etwa die Größe einer Karte eines handelsüblichen Kartenspiels oder einer Kreditkarte, waren allerdings etwa so dick wie ein Bierdeckel. Das Bild oben zeigt eine solche Karte, die sage und schreibe 32 KB Daten fassen konnte. Die Karte sieht ein bisschen aus, wie eine zu groß geratene SD-Speicherkarte, wie man sie heute in digitalen Kameras verwendet. Die Technik ist jedoch eine ganz andere, denn die heute verwendete Flash-Speicher-Technik stand damals im Massenmarkt noch nicht zur Verfügung. Die Speicherkarten enthielten daher eine Knopfzellen-Batterie und eine Elektronik, die die eingebauten Speicherzellen dauerhaft mit Strom versorgte. Auf vergleichbaren Karten, allerdings in einer stromlosen Festspeicherversion, konnte auch Zusatz-Software wie etwa ein Schachspiel und eine Finanz-Software erworben werden. Diese Software-Module verfügten nur über einen Festspeicher-Chip, brauchten also keine Pufferbatterie. Zusatzmodule verbanden den kleinen Rechner über eine serielle Schnittstelle mit einem PC, einem Modem oder einem Drucker.

Der Portfolio blieb nicht das einzige Gerät seiner Klasse. Aus dem Jahr 1991 etwa stammt der HP 95LX von Hewlett Packard. Er war dem Portfolio in Sachen Ausstattung und Funktionsumfang ziemlich ähnlich, hatte allerdings mehr Speicher und einen Bildschirm, der 16 Zeilen anzeigen konnte, was den Rechner sicher für Aufgaben wie Tabellenkalkulation besser geeignet machte, bei denen ein wenig Überblick über das Tabellenblatt ja hilfreich ist. Springen wir noch ein paar Jahre weiter ins Jahr 1994, findet man den HP 200LX, der nun eine CGA-kompatible Grafikausgabe aufweist, allerdings auf einem Flüssigkristall-Display in Graustufen. Mit dem Gerät wurde es möglich volle 25 Zeilen à 80 Zeichen Text anzuzeigen.

Frühe PDAs

Viele der kleinen, mobilen Computer, die ich Ihnen soeben vorgestellt habe, werden heute nachträglich der in den 1990ern populären Geräteklasse der PDAs (Personal Digital Assistants) zugeordnet. Diesen Begriff gab es damals so allerdings noch nicht. Er kam erst mit Apples Newton auf, den ich Ihnen erst im folgenden Kapitel vorstellen werde.

Mit den PDAs wird, zumindest meinem Verständnis der Computergeschichte entsprechend, die eingangs beschriebene neue Charakteristik deutlich. Sie sind keine miniaturisierten PCs, sondern etwas eigenes mit eigener Nutzungsschnittstellen-Welt. Trifft das hier schon zu? Die vorgestellten Geräte stehen bei der Beantwortung dieser Frage auf einer Grenze. Der klobige Osborne 1 ist wohl am ehesten noch eine transportable Version eines typischen CP/M-basierten Computersystems seiner Zeit. Die Geräte, die ich Ihnen danach gezeigt habe, sind allesamt nicht nur kompakter, ihre Bedienung ist auch weit weniger PC-artig. Man muss keine Software mehr von Disketten laden, muss den Kommandozeilen-Interpreter nicht nutzen und hat insgesamt sehr wenig mit dem Betriebssystem zu tun, da die mitgelieferte Software und ihre Nutzungsschnittstellen im Vordergrund stehen. Dahinter stehen aber nach wie vor noch die Standard-Betriebssysteme CP/M oder DOS. Die Software der Systeme ist PC-Standard-Software, wenn auch manchmal ein kleines bisschen an die kleinen Geräte angepasst. Am offensichtlichsten wird das in der Art und Weise, mit der innerhalb der Anwendungen die Dateien geladen und gespeichert werden, denn spätestens an dieser Stelle schlägt das Dateisystem des Betriebssystems mit seinen Laufwerksbuchstaben und Pfaden auf die Nutzungsschnittstelle durch. Die genannten Computer sind wichtige Schritte zum Personal Digital Assistant, ich würde ihnen das Etikett selbst aber noch nicht anheften, denn meiner Meinung nach fehlt der wichtige Schritt einer komplett eigenen Nutzungsschnittstelle, die nicht mehr auf CP/M oder DOS aufbaut und damit auch deren Charakteristika nicht mehr teilt. Erste Schritte in eine solche Richtung wurden bereits Mitte der 1980er Jahre gemacht.

PSION Organiser

PSION Organiser II aus dem Jahr 1986
PSION Organiser II aus dem Jahr 1986

Einer der ersten mobilen Computer, der nicht auf einem PC-Betriebssystem basierte, war der PSION Organiser von 1984. Der Rechner hatte die Anmutung eines zu groß und vor allem zu dick geratenen Taschenrechners. Das Gerät verfügte zur Ausgabe nur über eine einzige Zeile mit 16 Zeichen. Damit und mit dem sehr kleinen Speicher von 2 KB waren die Einsatzmöglichkeiten natürlich beschränkt. In seiner Grundausstattung bot das Gerät nur eine sehr minimalistische Datenbank, eine Uhr und eine Taschenrechnerfunktionalität. Weitere Funktionen konnten durch Anstecken von Modulen, die zusätzlich erworben werden konnten, verfügbar gemacht werden. Unter diesen gab es auch ein Modul mit einer einfachen Programmiersprache mit dem zumindest im Deutschen ungeschickten Namen POPL.

Schon praktischer im Einsatz war die zweite Ausgabe des Organisers aus dem Jahre 1986, die zunächst mit zwei-, später mit drei- und vierzeiligem Display aufwartete. Besonders beliebt waren diese Organiser in Betrieben, in denen es galt, viele Daten zu erfassen. Die Geräte waren nahezu unverwüstlich und konnten mit Erweiterungsmodulen gut mit Schnittstellen und Eingabegeräten wie Barcode-Scannern verbunden werden.

Gegenüber den oben genannten Pocket-PCs waren PSIONs Organiser natürlich eingeschränkt. Das hatte aber den Vorteil, dass ihre Nutzungsschnittstelle natürlich zwangsläufig einfacher war. Zum Einsatz kam nun nicht mehr Standard-Software aus dem PC-Bereich, sondern Software mit Nutzungsschnittstellen, die extra für diese Geräteklasse entwickelt wurden.

PSION Series 3 (1993)

Die Nachfolgegeräte des PSION Organiser II verloren den Namensteil Organiser, was eigentlich ein wenig merkwürdig ist, denn die Geräte ab der Series 3 im Jahre 1993 unterstützten eigentlich viel mehr als vorher die Aufgaben, für die man klassischerweise Papier-Organiser nutzte. Die Geräte glichen vom äußeren Aufbau mehr den zuvor erläuterten Pocket-Computern als dem frühen EPSON-Organiser. Im Gegensatz zu den Pocket PCs kam nun aber kein CP/M oder MS-DOS mehr zum Einsatz, sondern ein eigens neu entwickeltes System namens EPOC. Auf der Abbildung sehen Sie EPOC im Einsatz auf einem Series-3a-Gerät. Das Gerät bot die schon bekannten Anwendungen für Kalender, Datenbank und Taschenrechner, aber auch Tabellenkalkulation und Textverarbeitung. Mit der Programmiersprache OPL konnten eigene Anwendungen für die Geräte geschrieben werden, die auch auf alle grafischen Fähigkeiten der Nutzungsschnittstelle zugreifen konnten.

PSION Series 3a - Bild: Public Domain
PSION Series 3a - Bild: Public Domain

Die Abbildung verdeutlicht gut eines der interessanten Eigenschaften der Nutzungsschnittstelle der Series 3. Anders als bei den PC-Betriebssystemen liegt dem EPOC kein für den Nutzer sichtbares Dateisystem zugrunde. Es gibt daher kein dem Explorer oder Finder entsprechendes Programm zur Verwaltung von Dateien. In den Anwendungsprogrammen gibt es dementsprechend auch kein Äquivalent eines allgemeinen Öffnen- und Speichern-Dialogs. Die Anwendungen selbst verwalten vielmehr die mit ihnen erstellten Dokumente und bieten sie auf geeignete Weise an. Die Nutzungsschnittstelle der Series-3-Geräte weist dabei ein Feature auf, das es in späteren Geräten nicht mehr gab und das es so meines Wissens nach auch bei keinem anderen PDA oder Smartphone je gab. Sie haben auf der Hauptübersicht nicht nur die Anwendungen wie „Address“ oder „Accounts“, sondern auch die mit dieser Anwendung zuletzt verwendeten Objekte direkt im Angebot. Diese Objekte konnten mit den Pfeiltasten direkt ausgewählt und durch „Enter“ geöffnet werden. Dieser Mechanismus verdeutlicht nicht nur anschaulich die Zuordnung dieser Nutzungsobjekte zu ihren Anwendungen, sondern war zudem noch eine sehr praktische Abkürzung und eine praktische Übersicht.

Die Geräte von PSION und anderen Herstellern vollzogen den eingangs angedeuteten Schritt von einer Geräteklasse zur anderen. Sie sind das Produkt von Miniaturisierung, aber sie sind nicht einfach nur verkleinerte Desktop-PCs, sondern etwas anderes. PC-typisch ist noch der Grundaufbau des Geräts mit Tastatur und Bildschirm. Auch dieser sollte sich in den 1990ern mit dem Apple Newton und den Palm-PDAs ändern.

Personal Digital Assistants

Die mobilen Geräte von PSION, Series 3 und die Folgegeräte, habe ich Ihnen als eine eigene Geräteklasse vorgestellt. Es handelt sich bei ihnen nicht mehr um kleine, kompakte PCs, sondern um Geräte mit einer ganz eigenen Nutzungsschnittstelle und einer ganz eigenen Objektwelt, die ganz anders verwendet werden, als ein PC oder Laptop. Die Geräte werden heute der Klasse der Personal Digital Assistants, kurz PDA, zugerechnet. So richtungsweisend diese vorgestellten Geräte auch gewesen sein mögen, in Sachen Eingabetechnik waren sie noch recht altmodisch, basierten sie doch vollständig auf der Eingabe per Tastatur, die auch räumlich einen beträchtlichen Anteil des Geräts ausmachte. Am PC war man hier mit der Maus, die die direkte, räumliche Auswahl von Objekten am Bildschirm ermöglichte, bereits weiter. Bei den nun folgenden Geräten, die nicht nur nachträglich als PDA bezeichnet wurden, sondern die auch unter dieser Bezeichnung verkauft wurden – allen voran der Apple Newton – stand der Bildschirm als Eingabegerät im Vordergrund. Eine Tastatur gab es in vielen Fällen teilweise nicht mehr. Eingaben wurden stattdessen mit einem Stift oder teilweise auch mit den Fingern direkt auf dem Bildschirm durchgeführt.

Newton MessagePad – Der Vorreiter

Wie so häufig stapelte Apple bei der Markteinführung des Newton hoch. Nicht weniger als die Neuerfindung des Personal Computing wollte die Firma für sich beanspruchen. Das neue Gerät, der Personal Digital Assistant mit dem Namen Newton MessagePad aus dem Jahr 1993, war in der Tat ein innovatives Gerät, das neue Eingabe- und Nutzungsformen ermöglichte, die vorher weder mit einem PC, einem Macintosh noch mit früheren kompakten Computern möglich waren. Ein Erfolg war der Newton jedoch nicht, was vor allem mit der schlechten Leistung eines zentralen Features zu tun hatte. Dazu gleich mehr. Von der reinen Funktionalität her betrachtet, stand der Newton ganz in der Tradition der im vorherigen Kapitel betrachteten Geräte. Die auf dem 4 MB großen ROM-Chip untergebrachte Software bot eine Textverarbeitung, die Möglichkeit zum Anlegen von Notizen und Checklisten, einen Kalender, eine Adressverwaltung, einen Taschenrechner, Uhr und Wecker sowie ein Programm zum Lesen von elektronischen Büchern. Einen Dateimanager gab es nicht. Das Konzept der Datei an sich kam in der Nutzungsschnittstelle des Newton nicht vor.

Vom Standpunkt der Eingabemethodik und damit auch von der grundsätzlichen Bedienweise her unterschieden die Geräte sich jedoch stark. Der Bildschirm des Newton war 6 Zoll groß und konnte 320 x 240 Pixel in 16 Graustufen darstellen. Alle Eingaben wurden über die Bildschirmoberfläche durchgeführt. Das Betriebssystem Newton OS war daher vollständig auf die Bedienung mit dem mitgelieferten Stift ausgelegt, der praktischerweise auf der rechten Seite zum Transport in das Gerät hineingeschoben werden konnte. Mit dem Stift konnten Funktionen ausgewählt und Buttons angeklickt werden. Vor allem aber konnte mit ihm geschrieben und gezeichnet werden. Der Newton verfügte dazu über mehrere Eingabemodi. Der einfachste war der „Sketches-Modus“. Hier erscheinen alle Linienzüge, die mit dem Stift auf der Bildschirmoberfläche gemacht wurden, direkt als Strichzeichnungen im Dokument. Die geometrischen Figuren, die Sie auf der Abbildung sehen, wurden im „Shapes-Modus“ erzeugt. In diesem Modus war es möglich, Figuren wie Rechtecke, Dreiecke, Kreise und Linien recht grob zu zeichnen. Die Figuren wurden (in den meisten Fällen) erkannt und als saubere Figur-Objekte angelegt. Verwendete man hingegen den „Ink-Text-Modus“, arbeitete eine Texterkennung daran, den in Handschrift auf das Display geschriebenen Text zu erkennen und in digitalen Text umzuwandeln.

Apple Newton MessagePad 100
Apple Newton MessagePad 100

Alle geometrischen Figuren, Texte und auch die Linienzüge der Freihandzeichnungen standen als Objekte zur Verfügung. Sie ließen sich also am Bildschirm bearbeiten, verschieben, löschen und im Falle grafischer Elemente auch in Größe und Ausrichtung verändern. All diese Operationen wurden wieder mit dem Stift durchgeführt. Hierzu wurden einige sehr interessante Interaktionsformen ersonnen. Ein Wort etwa konnte dadurch gelöscht werden, dass man es in einer Zick-Zack-Geste durchstrich. Der Newton machte dann ein „Puff“-Geräusch und das Wort verschwand vom Bildschirm. Das Gleiche funktionierte auch mit grafischen Objekten. Spezielle Eingabegesten existierten, um einzelne Worte oder neue Zeilen einzufügen. Sollten mehrere Objekte, egal ob Text oder Grafik, markiert werden, geschah dies, indem man den Stift eine Sekunde auf eine Stelle auf dem Bildschirm hielt und dann den Text unterstrich oder die grafischen Objekte umrahmte. Sobald man den Stift dann vom Bildschirm nahm, waren die Objekte markiert und konnten zum Beispiel verschoben werden.

Einfügen eines Satzes in den Kalender des Newton MessagePads. Quelle: Newton 2.0 User Interface Guidelines, Apple Computer, 1996
Einfügen eines Satzes in den Kalender des Newton MessagePads. Quelle: Newton 2.0 User Interface Guidelines, Apple Computer, 1996

Aus Nutzungsschnittstellen-Sicht faszinierend war Apples Umsetzung der Zwischenablage, denn auch die funktionierte vollständig räumlich. Nehmen wir an, man wollte einen Satz aus einem Notizdokument an eine andere Stelle verschieben. Um das zu tun, markierte man den Satz wie oben beschrieben und schob ihn dann an den linken oder rechten Bildschirmrand. Dort wurde er dann in Kurzform angezeigt. Im Bild rechts sehen Sie, wie das aussah. Hier wurde der Satz „Joe is in Suite 302“ aus dem Notizbuch an den Rand geschoben. Inzwischen wurde der Kalender aufgerufen. Der kopierte Satz befindet sich immer noch am Bildschirmrand. Er kann nun in den Kalender eingefügt werden, indem er einfach an die Stelle gezogen wird, an der er hinterher stehen soll. Kopieren war ähnlich einfach. Der einzige Unterschied zum Verschieben bestand darin, dass das Objekt vor dem Verschieben mit einer Art halbem Doppelklick (runter-hoch-runter) markiert wurde. Die Newton-Interpretation der Zwischenablage ist sicher ungewöhnlich, aber aus der Sicht eines Nutzungsschnittstellen-Interessierten ist sie spannend, denn sie ist vielen anderen Zwischenablagen voraus. Einzig die Zwischenablage des Bravo-Editors des Xerox Alto, die ich Ihnen im Kapitel „Schreibtische und Fenster“ beschrieben habe, ist von der Funktionalität her ähnlich. Im Gegensatz zu MacOS, Windows sowie iOS und Android hat man beim Newton die Objekte, die verschoben oder kopiert werden können, stets im Blick. Die Inhalte der Zwischenablage stehen als sichtbare Objekte am Bildschirm zur Verfügung und werden durch räumliche Operationen eingefügt oder kopiert. Bei allen anderen Systemen hingegen befinden sie sich in einer unsichtbaren Zwischenablage und werden durch eine nicht-objektbezogene Kommandoauswahl eingefügt. Wenn man in Word „Einfügen“ anklickt, sieht man erst nach der Aktion, was eingefügt wurde, was der Befehl also bewirkt hat, auf welches Objekt er sich bezog. Nicht nur hier ist die Newton-Zwischenablage im Vorteil. Sie ist auch nicht, wie die Zwischenablagen an modernen Systemen, auf ein einziges Objekt beschränkt. Niemand hindert Sie beim Newton daran, verschiedene Schnipsel erst am Bildschirmrand zu sammeln und dann an anderer Stelle einen nach dem anderen einzufügen. Bei aktuellen Systemen geht das nicht – dort müssen Sie ständig zwischen Quelle und Ziel hin- und herwechseln.

Wieder einmal habe ich Ihnen in den höchsten Tönen ein Gerät beschrieben, das als ein großer Flop in die Computergeschichte einging. Dieses Mal lag es aber nicht am Preis. Mit 900 Dollar war das Gerät zwar nicht gerade ein Schnäppchen, unbezahlbar war es aber auch nicht, und es gab durchaus viele Kunden, die sich für das Gerät interessierten. Die frühen Kunden stellten aber schnell ein großes Problem fest. Die Schrifterkennung des Newton funktionierte nicht vernünftig. Es war in der Praxis für viele Nutzer schlichtweg unmöglich, auf dem Newton Text einzugeben, selbst nach längerem Trainieren und Korrigieren der Fehleingaben. Mit dem Erscheinen der zweiten Version des Newton-Betriebssystems im Jahre 1996 wurde die ursprüngliche Schrifterkennung durch eine komplette Neuentwicklung ausgetauscht, die nun gerade auf neueren, leistungsfähigeren Newton-Geräten viel besser funktionierte. Zu diesem Zeitpunkt war der Ruf des Newton allerdings schon ziemlich ruiniert, was der ohnehin schwierigen Situation der Firma Apple zu diesem Zeitpunkt nicht zuträglich war. Mit der Rückkehr von Steve Jobs zu Apple im Jahre 1997 wurde die komplette Newton-Produktlinie eingestellt – und Jobs versprach, dass Apple nie wieder PDAs herstellen werde. Eine Aussage, die ihm bei der Einführung des iPad im Jahr 2010, noch vorgehalten werden sollte.

Palm Pilot – Der Zuverlässige

Zum Zeitpunkt, als der Newton eingestellt wurde, schickte sich ein anderer Hersteller an, den Markt zu erobern. Im Jahr 1996 erschien mit dem Palm Pilot das erste einer Reihe von kompakten Geräten, die üblicherweise unter dem Namen „Palm“ zusammengefasst wurden. Sie wurden bis weit in die 2000er hinein von verschiedenen Herstellern gebaut. Vergleicht man das erste Palm-Gerät, den Palm Pilot von 1996 mit einem Newton von 1993, scheint der Newton in jeder Hinsicht im Vorteil zu sein. Der Pilot hatte im Vergleich zum Newton einen geradezu winzigen Bildschirm mit nur 160 x 160 Bildpunkten, der zudem im Gegensatz zum Newton keine Graustufen anzeigen konnte. Auch der Palm wurde mit einem Stift bedient. Die Interaktion war allerdings viel weniger facettenreich als die des Newton.

Am offensichtlichsten wurde das vielleicht bei der Texteingabe. Beim Newton gab man den Text handschriftlich an der Stelle ein, an der er später auch erscheinen sollte. Beim Palm hingegen bediente man sich einer speziellen, „Graffiti“ genannten, Schrift, die man Buchstabe für Buchstabe in ein Feld unterhalb des Bildschirms hineinschrieb. Charakteristisch für die Graffiti-Schrift war, dass die Buchstaben eindeutig waren und in nur einem Zug geschrieben werden konnten. Von Seiten der Software waren die Palm-Geräte mit dem Angebot früherer kompakter, mobiler Geräte vergleichbar. Auch hier fand man ein Adressbuch, einen Kalender, eine Anwendung zum Festhalten von Notizen und To-Do-Listen. Bei späteren Software-Versionen war auch ein Programm zum Verfassen von E-Mails und zur persönlichen Finanzverwaltung mit dabei. Das Gerät war natürlich nicht auf diese Anwendungen beschränkt. Eine Liste von 2008 verzeichnet sage und schreibe 50.000 Software-Titel für Palm-PDAs. Auch hardware-seitig entwickelten sich die Geräte im Laufe der Jahre weiter. Man konnte Palms mit WLAN-, Mobilfunk- oder sogar GPS-Modulen erwerben.

Links: Palm Pilot; rechts: Graffiti-Gesten – Bild rechts: IMeowbot~commonswiki assumed (CC BY-SA 3.0)
Links: Palm Pilot; rechts: Graffiti-Gesten – Bild rechts: IMeowbot~commonswiki assumed (CC BY-SA 3.0)

Die Palm-Geräte waren erheblich weniger ambitioniert als Apples Newton, waren jedoch im Gegensatz zu diesem sehr erfolgreich am Markt. Die Einfachheit der Geräte und der Software dürften mit der Hauptgrund für den Erfolg gewesen sein, denn im Gegensatz zu Apples Newton hielt die Technik des Palm die Versprechen, die sie machte.

Windows CE – Der Herkömmliche

Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle PDAs erwähnt, die mit dem Betriebssystem Windows CE betrieben wurden. Bei Windows CE handelte es sich um ein Betriebssystem von Microsoft, dessen Nutzungsschnittstelle der von Windows 95 stark ähnelte. So verfügte das System über eine Taskleiste und ein Startmenü. Auch die Anwendungen ähnelten denen des PCs. Die Systeme hatten einen Explorer, einen Pocket Internet Explorer, Pocket Word, Pocket Excel etc. Diese Software-Ausstattung machte die Geräte natürlich kompatibel zu den klassischen Dateiaustauschformaten der PC-Welt.

NEC MobilePro 400 mit Windows CE 1.0. Quelle: Dmitry Brant (CC BY-SA 4.0), freigestellt
NEC MobilePro 400 mit Windows CE 1.0. Quelle: Dmitry Brant (CC BY-SA 4.0), freigestellt

Die Nutzungsschnittstelle der PDAs mit Windows CE war erstaunlich schlecht an die mobilen Computer angepasst. Die Geräte wurden üblicherweise mit einem Stift bedient, doch selbst damit war es nicht immer einfach, sie zügig und fehlerfrei zu bedienen, denn die Objekte der Nutzungsschnittstelle waren zum Teil recht klein. Die Abstammung der Nutzungsschnittstellen des Betriebssystems und der Software aus der Software-Welt des PCs schlug sich auch an anderer Stelle nieder. Als eine ganz typische Eigenschaft von PDAs habe ich Ihnen inzwischen mehrfach das implizite Speichern erläutert. Bei den Palm-Geräten, beim Apple Newton, bei den PDAs von PSION und den vergleichbaren Geräten wurde dem Nutzer nicht abverlangt, die vorgenommenen Änderungen explizit zu speichern. Verwendete man auf den Geräten beispielsweise die Notizbuch-Funktion, machte eine Notiz, wechselte dann zum Kalender und machte dort einen Eintrag, um schlussendlich die Taschenrechner-Funktion aufzurufen, musste zu keinem Zeitpunkt explizit eine Speichern-Funktion aufgerufen werden. Jede Änderung wurde stets automatisch ohne Zutun des Nutzers gespeichert. Bei Windows CE verhielt es sich hingegen so, wie man es von Windows kannte. Machte man in Pocket Word eine Änderung an einer Textdatei, musste man die Datei explizit abspeichern, wenn man sie denn behalten wollte. PDAs mit Windows CE waren zwar einerseits sehr leistungsstark, denn sie waren in der Regel gut ausgestattet und boten eine große Software-Vielfalt, doch aus Sicht ihrer Nutzungsschnittstelle boten sie nichts Neues und waren für die Geräteklasse sogar in gewisser Weise ein Rückschritt.

Fazit

Die hier vorgestellten Personal Digital Assistants waren aus Sicht der Nutzungsschnittstelle sehr interessant. Die Geräte und ihre Software waren natürlich nicht so funktionsreich wie ihre Pendants aus dem PC-Bereich. Die kompakte Bauweise forderte in beiden Aspekten ihren Tribut. Die Nutzungsschnittstelle der Geräte war jedoch auch insofern interessant, als dass für diese neue Gerätegeneration beginnend mit dem PSION Organiser eine komplett neue Nutzungsschnittstelle entwickelt wurde. Die Nutzungswelten dieser kleinen Computer standen weder in der Tradition der WIMP-Interfaces von Xerox und Apple aus den späten 1970er bzw. frühen 1980er Jahren noch in der Tradition der terminal-orientierten Kommandozeilen der 1960er Jahre. Die besonderen Bedingungen ihres Einsatzes brachten eine neue Nutzungsweise und damit auch eine neue Nutzungsschnittstellen-Welt hervor.

Wie bereits oben beschrieben wurden PDAs im Laufe der Jahre um viele Fähigkeiten erweitert. Von Palm etwa gab es ab den frühen 2000er Jahren Geräte der Treo-Serie, die den klassischen PDA um ein GSM-Modul erweiterten. Die Geräte ermöglichten dadurch sowohl das Telefonieren als auch die Nutzung des Internets über den GPRS-Standard. Der PDA wurde so mehr und mehr zu dem, was wir heute „Smartphone“ nennen.

Smartphones

PDAs der Art, wie ich sie zuvor beschrieben habe, gibt es heute nicht mehr. Sie sind zusammen mit Geräten wie dem Mobiltelefon, mobilen Pagern und Kompaktkameras im Smartphone aufgegangen. Maßgebliche Entwickler von Nutzungsschnittstellen für Smartphones sind heute die Firmen Apple und Google. Während Apple mit dem Newton Erfahrung im Bereich der PDAs hatte, seine eigene PDA-Linie aber 1997, zehn Jahre vor der Einführung des iPhones einstellte, war Google bis dahin nicht im Bereich der Betriebssysteme und der Nutzungsschnittstellen für PDAs oder ähnliche Geräte tätig. Mit Nutzungsschnittstellen für Mobiltelefone hatten beide Firmen bis dahin nichts zu tun.

Man kann ein Smartphone in der Computergeschichte auf verschiedene Arten und Weisen betrachten, etwa als einen PDA mit einer hinzugefügten Mobilfunkoption oder als ein Mobiltelefon mit zusätzlichen PDA-Funktionalitäten. Auf verschiedene frühe Smartphones trifft bei genauerer Betrachtung mal mehr das eine, mal mehr das andere, mal noch eine andere Interpretation zu. Ein Beispiel für einen PDA mit hinzugefügten Telefon-Funktionen habe ich im vorherigen Kapitel kurz angerissen. Mit der Treo-Serie des Herstellers Handspring – einer Abspaltung von Palm, die später wieder mit ihrer Ursprungsfirma fusionierte – wurde dem PDA ein Telefonmodul hinzugefügt. Die Mobilfunk-Funktionalität beschränkte sich seinerzeit auf die reine Telefonfunktion. Erst im Jahre 2004 folgte ein Modell, das auch Daten über Mobilfunk empfangen und versenden konnte, das also Zugang zum Internet hatte. Im Jahr 2005 erschien dann ein Palm-PDA mit WLAN-Funktionalität. Es handelte sich dabei allerdings um einen reinen PDA ohne Telefonfunktion. Erst im Jahre 2008 war ein Palm-Smartphone verfügbar, das sowohl über WLAN als auch über Mobilfunk-Fähigkeiten verfügte.

Frühe Smartphones

Palm erweiterte seine PDAs mit den Mobilfunkmodulen zu Smartphones, war damit allerdings vergleichsweise spät dran. 2002 bereits erschien das erste Blackberry-Smartphone der Firma Research In Motion und bereits im Jahre 1996 brachte Nokia sein erstes Smartphone auf den Markt.

Nokia Communicator

Die Firma Nokia war viele Jahre lang Marktführer für Mobiltelefone. Im Jahr 2008, ein Jahr nachdem Apple sein iPhone vorstellte, erreichte der Marktanteil von Nokia fast 40 Prozent. Die Firma war zu diesem Zeitpunkt schon lange im Geschäft. Das erste Auto-Telefon der Firma wurde ab 1982 verkauft und das erste Mobiltelefon im heutigen Sinne, als einteiliges Gerät ohne separaten Hörer, wurde 1985 vorgestellt. Auch ein Smartphone hatte Nokia früh im Programm. Fast zehn Jahre früher als Palm bereicherte Nokia den Mobilfunkmarkt mit seinem ersten Communicator – dem Nokia 9000.

Nokia 9000 in zugeklapptem und aufgeklapptem Zustand – Bild: textlad (CC-BY 2.0)
Nokia 9000 in zugeklapptem und aufgeklapptem Zustand – Bild: textlad (CC-BY 2.0)

Der erste Communicator war für die Zeit ein erstaunliches Gerät. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein normales Mobiltelefon der damaligen Zeit, wenn auch signifikant dicker und größer. Im oberen Bereich des Gerätes befand sich eine kleine LCD-Anzeige, darunter eine Nummerntastatur. Das Gerät verfügte über alle Funktionen, die auch ein einfaches Nokia-Telefon bot. Wirklich interessant wurde das Gerät, wenn man es aufklappte, denn dann eröffnete sich dem Nutzer ein PDA mit Telefon- und Internetanbindung. Die Bedienung der PDA-Funktionen erfolgte über eine kleine Tastatur. Der Bildschirm war für die damalige Zeit sehr ordentlich. Er verfügte über eine Auflösung von 640 x 200 Pixeln und konnte vier Graustufen anzeigen. Der Communicator bot die für PDAs bekannten Funktionalitäten, also etwa eine Anwendung für Notizen, einen Kalender, eine Kontaktverwaltung etc. Das Herausragende an dem Gerät waren nicht die PDA- oder die Mobilfunktion alleine, sondern ihre Kombination vor allem mit der Möglichkeit des Datenaustauschs über das Mobilfunknetz. Der Communicator erlaubte sowohl das Senden und Empfangen von E-Mails als auch von analogen Fax-Kopien. Auch Terminal-Verbindungen zu entfernten Rechnern ließen sich mit dem Gerät aufbauen und selbst ein Webbrowser stand zur Verfügung. Aus heutiger Sicht mag das nicht spektakulär klingen, doch muss man sich klarmachen, dass hier von einem Gerät von 1996 die Rede ist. Zu diesem Zeitpunkt war das World Wide Web in der allgemeinen Öffentlichkeit noch nicht sehr verbreitet. Kaum ein Nutzer von heimischen Computern oder Bürorechnern war an das Internet angebunden, und somit waren auch Webbrowser noch kaum verbreitet. Hier gab es nun einen – und das auf einem kompakten, mobilen Gerät!

Blackberry

Nokia bot schon sehr früh seinen Communicator an und entwickelte diesen auch stetig weiter. Die Marke stand aber nicht in erster Linie für diese leistungsstarken Geräte. Nokia bediente vor allem den Massenmarkt und hatte Mobiltelefone mit verschiedenen Ausstattungsmerkmalen im Angebot und verdiente damit sein Geld. Anders war die Lage bei der Firma Blackberry. Das Wort „Blackberry“ wurde Anfang der 2000er Jahre zu einem Äquivalent für das Wort Smartphone. Die meisten dieser Geräte wurden seinerzeit noch, ähnlich wie bei Nokias Communicator, nicht von Privatleuten, sondern vor allem von Handelsreisenden und Führungskräften verwendet. Blackberry bot eine starke Einbindung an die zentrale Infrastruktur der Firmen mit Funktionalitäten zur unternehmensweiten Kalender-, Mail- und Kontaktsynchronisation.

Ein Blackberry Quark
Ein Blackberry Quark

Der Ursprung der Smartphones der Firma Research In Motion (RIM) lag im Jahre 1996 in einem Gerät, das noch nicht den Namen „Blackberry“ trug. Der „Inter@ctive Pager 900“ war ein sogenannter Two-Way-Pager. Er nutzte frühe Mobilfunk-Datennetzwerke der USA. Pager waren damals unter Leuten, die immer erreichbar sein mussten, sehr verbreitet. Es gab sie in verschiedenen Ausführungen. Ganz einfache Geräte ermöglichten es nur, eine Telefonnummer anzuzeigen. Wollte man jemandem etwas auf einen Pager schicken, rief man die Telefonnummer des Pager-Dienstes an und gab dort die Nummer des Pagers und die Nummer dessen, der zurückgerufen werden sollte, an. Pager dieser Art haben Sie bestimmt schon einmal in Film und Fernsehen gesehen. Sie wurden zum Beispiel verwendet, um Ärzte „anzupiepsen“. Weiterentwickelte Geräte erlaubten auch das Anzeigen eines Mitteilungstextes oder gar die Wiedergabe einer Tonnachricht. In all diesen Fällen verlief die Kommunikation einseitig. Es handelte sich um reine Empfangsgeräte. Der Inter@active Pager 900 war im Vergleich zu diesen Geräten viel ausgereifter. Die Kommunikation fand über die Mobilfunk-Datennetzwerke über das Internet statt. Die Geräte erlaubten sowohl das Empfangen als auch das Versenden von Nachrichten über das Internet. Im Prinzip handelte es sich bei den Geräten um mobile E-Mail-Maschinen.

Die Firma RIM entwickelte ihre Pager zu Smartphones weiter, denen Sie den Namen „Blackberry“ gaben. Rechts abgebildet ist die erste Fassung dieser Geräte, ein Blackberry Quark aus dem Jahr 2003. Die E-Mail-Komponente war bei diesen Geräten nach wie vor sehr zentral. Blackberrys erlaubten sowohl den Mail-Versand über normale Internet-E-Mail-Konten als auch über Microsoft-Exchange-Server und später über eigene Server-Infrastrukturen. Um die E-Mail-Funktionalität herum bot der Quark sowohl die typischen Funktionen eines Telefons, also der Telefonfunktion mit Telefonbuch und der SMS-Funktion als auch die eines PDAs, von Notizen bis zum Kalender. Auch ein Webbrowser gehörte zum Funktionsumfang des Geräts. Palm entwickelte die Geräte in verschiedene Richtungen weiter. Das charakteristische Merkmal vieler Blackberrys blieb die voll ausgestattete Tastatur. Diese Geräte waren gerade bei den Nutzern, die viel E-Mail-Korrespondenz unterwegs verfassen wollten, sehr beliebt. Andere Blackberrys glichen mehr typischen Mobiltelefonen der Zeit, allerdings mit einer um einige Tasten erweiterte Zifferntastatur, die auch für Texteingabe genutzt werden konnte. Einzelne Tasten waren, ganz ähnlich wie bei einfachen Handys, mit mehreren Buchstaben belegt. Dass dennoch mit nur jeweils einem Tastenanschlag getippt werden konnte, lag an einer Technik namens SecureType, hinter der letztlich ein Wörterbuch von 35.000 Worten stand, die das Gerät an der Tastenfolge erkannte. Andere Telefonhersteller verwendeten die T9-Technik. die letztlich ähnlich funktionierte. Geräte wie der Blackberry Pearl von 2006 verfügten auch über einen Mediaplayer und eine integrierte Kamera mit 1,3 bis 2 Megapixeln Auflösung. Noch viel eingeschränkter als die Fotoauflösung war bei diesen Geräten allerdings die des Bildschirms mit nur 260 x 320 Pixeln.

Smartphone neu gedacht

Ich habe Ihnen oben grob einige Entwicklungslinien des Smartphones nachgezeichnet. Palm erweiterte seine PDAs um Mobilfunkfunktionalitäten, Nokia stattete ein Mobiltelefon mit zusätzlichen PDA-Funktionalitäten aus, und Blackberry entwickelte seine mobilen E-Mail-Maschinen zu Smartphones mit Telefon- und Organizer-Funktionalitäten weiter. Betrachten wir den Entwicklungsstand im Jahr 2008, hatten sich die Geräte durchaus angeglichen und verfügten alle über ein recht ähnliches Angebot, wobei die Ursprungscharakteristika immer noch sichtbar waren. Ein Blackberry hatte seine Stärken nach wie vor in der mobilen Nutzung von Textnachrichten, während ein Palm immer noch in erster Linie ein PDA war. All diese Smartphones waren keine Geräte für den Massenmarkt. Vor allem die Blackberrys waren teure Geräte für Manager. Sie waren eingebunden in Firmenstrukturen und hatten eine im Vergleich zu typischen Mobiltelefonen edle Anmutung. Ähnlich verhielt es sich aber auch mit den Geräten der anderen Hersteller. Auch sie richteten sich in erster Linie an Führungskräfte und Handlungsreisende.

Was man sich unter einem Smartphone vorstellte, änderte sich zu dieser Zeit aber grundlegend, denn im Jahr 2007 erschien das erste iPhone von Apple. Dieses Smartphone verfügte im Gegensatz zu den anderen Smartphones nicht über eine Tastatur, sondern über einen berührungsempfindlichen Bildschirm. Apple hatte sich seit der Rückkehr von Steve Jobs zehn Jahre zuvor stark verändert. Nicht mehr die Macintosh-Computer standen im Vordergrund des Interesses, sondern vor allem die mobilen Medienplayer namens iPod und die dazugehörige iTunes-Software, mittels derer Inhalte gekauft und auf den Player übertragen werden konnten. Die Herkunftslinie als Medienwiedergabegerät war beim iPhone klar ersichtlich und wurde auch explizit beworben. Bei der offiziellen Vorstellung wurde das neue Gerät als drei Geräte in einem vorgestellt. Gleich das erste dieser Geräte war demnach ein „Widescreen iPod with Touch Controls“. Das zweite Gerät, das „Revolutionary Mobile Phone“ erscheint mir von den drei genannten das uninteressanteste zu sein, denn außer einem interessanten neuen Ansatz für Mailbox-Nachrichten war hier nichts wirklich Revolutionäres zu sehen. Durchaus interessant war aber wiederum das „Breakthrough Internet Communication Device“. Neben der E-Mail-Funktionalität zielte dies vor allem auf den Webbrowser ab. Dessen herausragendes Feature war es, normale Websites anzeigen zu können. Die Webbrowser auf den meisten Smartphones konnten entweder nur extrem eingeschränkte, mobile Websites im sogenannten WAP-Standard anzeigen oder zeigten normale Websites auf ganz eigenwillige Art und Weise an, denn da es bis dahin keinen brauchbaren Standard für die mobile Darstellung gab und die Web-Nutzung auf Telefonen noch eine absolute Ausnahme war, waren die Designs nahezu aller Websites im Jahr 2007 auf die Darstellung in PC-Browsern ausgelegt. Das iPhone vermochte es, auch diese, nicht für Telefonnutzung gedachten, Seiten anzuzeigen und mit einer geschickt integrierten Zoom-Funktion sogar trotz des kleinen Bildschirms recht gut bedienbar zu machen.

Heute fast vergessen ist, dass das erste iPhone etwas noch nicht hatte, was später typisch für die neuen Smartphones wurde: Es gab noch keine installierbaren Apps. Wenn man das Gerät nicht mit einem sogenannten „Jailbreak“ hackte, gab es keine Möglichkeit, die mitgelieferten Anwendungen aufzustocken. Googles Betriebssystem Android, das sich bereits in Entwicklung befand, ermöglichte von Anfang an die Installation von Zusatzanwendungen. Als das erste Android Smartphone, das HTC Dream, allerdings im September 2008 erschien, war auch Apple schon so weit und hatte seinen App-Store eingeführt.

Die meisten Smartphones verwenden heute entweder Apples iOS oder Googles Android. Auf eine gewisse Weise betrachtet sind diese Systeme den PDAs der 1990er und frühen 2000er sehr ähnlich. Das erste iPhone etwa verfügte neben den Anwendungen zum Schreiben von SMS und MMS und der Telefonfunktion über einen Kalender, einen Fotobetrachter, eine Anwendung für Sprachnachrichten, ein klassisches Notizbuch, eine Uhr-Anwendung samt Wecker, eine Taschenrechnerfunktion und die Möglichkeit zur Musikwiedergabe. All diese Anwendungen waren mehr oder weniger auch das Standardrepertoire von PDAs. Hinzu kamen bei Apple natürlich die internetbasierten Anwendungen bestehend aus einem Webbrowser, einem Youtube-Player, Google-Maps, einer App für die Wettervorhersage und natürlich dem iTunes Store zum Kaufen von Musik. Auch die Bildschirmgröße und der Eingabefokus auf direktes Zeigen entsprach weit mehr den PDAs als den Smartphones der damaligen Zeit, die großteils auf kleine Hardware-Tastaturen setzten. Ein iPhone glich in der Bedienung viel mehr einem frühen Palm-PDA oder sogar einem Newton als einem Blackberry. Eine grundsätzliche Charakteristik der neuen Generation der Smartphones ist aber dann doch ganz anders als die der PDAs. Typische PDAs wurden mit einem PC verbunden, um Daten zu synchronisieren. Gut ausgestattete PDAs und Smartphones hatten zwar Möglichkeiten, über das Mobilfunknetz ins Internet zu gehen, taten das aber in der Regel eher selten. Wenn sie es doch taten, war die übertragene Datenmenge minimal. Dafür, dass das so war, sorgten unter anderem auch die exorbitanten Gebühren, die für die Internetnutzung im Mobilfunknetz damals erhoben wurden. Die neuen Smartphones waren im Prinzip von vorn herein darauf ausgelegt, dauerhaft online zu sein. Zwar können die Geräte auch offline verwendet werden, doch ein Großteil ihrer Funktionalität ist darauf ausgelegt, dass immer und zu jedem Zeitpunkt eine Internetverbindung vorhanden ist. Das Vorhandensein der Geräte auf dem Markt hatte somit auch starken Einfluss auf Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit der Mobilfunk-Infrastruktur – ein schönes Beispiel dafür, wie sich verschiedene technische Entwicklungen und ihre Nutzungsweisen gegenseitig beeinflussen.

Die neue Generation der Smartphones reiht sich zwar durchaus in die Geschichte ihrer Vorgänger ein und erbt sowohl Eigenschaften vom PDA, vom klassischen Mobiltelefon und vom Pager. Mit den Geräten ist aber in vieler Hinsicht tatsächlich eine Art Revolution gelungen. Menschen, die sich nie für Computer interessierten, nie einen besaßen oder bei der Einrichtung und Wartung stets Hilfe brauchten, besitzen nun die kleinen, leistungsstarken Smartphones und können sie zumeist auch ziemlich kompetent bedienen. Für den Erfolg der Geräte gibt es viele Gründe. Zu ihnen gehört nicht, dass ein Smartphone technisch etwas Revolutionäres ermöglichen würde. Auch weist ihre Nutzungsschnittstelle keine besonderen Features auf, die man vorher gar nicht gekannt hätte. Sie ist vielmehr, wie schon beim PDA, vor allem im Vergleich zum PC extrem vereinfacht. Apps auf dem Smartphone haben in der Regel weniger Funktionen und Einstellungen als PC-Anwendungen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Smartphones ist sicher auch, dass sie mit ihrer Hardware- und Software-Ausstattung, gepaart mit einem dauerhaft verfügbaren Internet, eine Vielzahl von Geräten ersetzen. Ein Smartphone ist heute weit mehr als ein Mobiltelefon und ein PDA. Es ist auch ein Diktiergerät, eine kompakte Kamera, ein Navigationsgerät, ein Wecker, eine Taschenlampe und vieles weitere mehr, und all das hat man in nur einem kleinen Gerät immer dabei.

Die Nutzungsschnittstelle eines Smartphones hat eine ganz andere Anmutung als die eines PCs. Ein Smartphone mit einem PC gleichzusetzen ist ähnlich unsinnig, wie die Betrachtung eines modernen Windows-PC als Minicomputer, wie wir sie aus den 1970ern kennen gelernt haben. Die Geräte mögen intern auf ähnliche Art und Weise funktionieren, doch die Nutzungsschnittstelle, die uns durch die Hardware, aber vor allem durch die Software angeboten wird, erzeugt eine ganz andere Nutzungswelt.

Der Vergleich Smartphone versus PC mit Personal Computer versus Minicomputer hinkt natürlich ein wenig, denn während Minicomputer von den Personal Computern inzwischen mehr oder weniger vollständig abgelöst wurden, ist das beim Smartphone so nicht zu erwarten. Zwar ist für viele Anwender der Funktionsumfang eines Smartphones für ihre Anwendungsfälle ausreichend, doch bleiben viele Nutzungsszenarien, in denen nicht nur der große Bildschirm eines PCs notwendig ist, sondern in denen auch die Flexibilität und der Funktionsreichtum der PC-Nutzungsschnittstellen gebraucht wird. Hinzu kommt noch, dass Smartphones und Tablets, vor allem die aus dem Hause Apple, den Nutzer in seiner Freiheit ziemlich einengen. Alternative Betriebssysteme zu installieren, ist, wenn überhaupt, nur mit hohem Aufwand möglich und die Apps kommen im Regelfall, bei Apple sogar ausschließlich, aus vom Hersteller kontrollierten App-Stores. Für das Programmieren, also das Erzeugen eigener Anwendungsprogramme nach den eigenen Vorlieben, sind die Geräte schon aus diesem Grund ebenfalls eher ungeeignet, und selbst wenn man eine offenere Architektur verwendet, will man sicher nicht auf einer Smartphone-Tastatur ein komplexes Programm entwerfen. Man würde hierfür wohl immer ein Gerät wie einen PC oder ein Laptop mit einer gut ausgestatteten Entwicklungsumgebung verwenden wollen, auch wenn das Programm am Ende auf einem Smartphone oder auf einem Tablet verwendet werden soll.