Die Dreifaltigkeit von 1977
Auch wenn der Altair 8800 von 1975 als erster Personal Computer bezeichnet werden kann, ist doch viel eher 1977 das Jahr, in dem die Ära der Personal Computer wirklich begann. Denn in diesem Jahr kamen drei Computermodelle auf den Markt, die schon rein äußerlich viel mehr dem glichen, was wir heute einen PC nennen würden, und die die Entwicklung über viele Jahre prägten. Der Commodore Personal Electronic Transactor 2001 (kurz PET), der Apple II und der TRS-80 der amerikanischen Elektronik-Kette Tandy/Radio-Shack wurden einige Jahre später von der Computerzeitschrift „Byte“ als die sogenannte „1977 Trinity“ bezeichnet.
Oben abgebildet sehen Sie die drei Computer. Sie sehen im Gegensatz zum Altair 8800 nicht mehr aus wie ein eingelaufener Minicomputer mit Kippschaltern und Leuchtdioden, sondern haben die heutige Anmutung eines PCs mit Bildschirm, einer Zentraleinheit, Speichergeräten und einer Tastatur. Die Komponenten waren bei den drei Rechnern mehr oder weniger stark integriert. Der TRS-80 war der am stärksten modular aufgebaute Rechner mit separater Basiseinheit, Bildschirm und Tastatur, beim Apple II waren Zentraleinheit und Tastatur kombiniert – eine bis in die 1990er Jahre beliebte Bauweise – und beim links abgebildeten Commodore PET gab es alles aus einem Guss. Nicht nur Tastatur, Zentraleinheit und Bildschirm, sondern sogar ein Kassettenrekorder als Datenspeicher wurden hier integriert. Von den drei im Jahr 1977 vorgestellten Geräten begann die Entwicklung des Apple II relativ früh, nämlich bereits früh im Jahre 1976. Commodore PET und TRS-80 waren hingegen ziemlich schnelle Entwicklungen. Der PET wurde im Januar 1977 als erster von den drei Rechnern der Öffentlichkeit vorgestellt, kam jedoch erst im Oktober des gleichen Jahres auf den Markt und war erst Ende des Jahres wirklich verfügbar. Zu diesem Zeitpunkt konnte der TRS-80 bereits ab August und der Apple II ab Juni gekauft werden. Wieder einmal ist es also schwierig, den ersten zu küren.
Die drei Rechner sind sich von der Bedienung her recht ähnlich. Sie bedienen sich im Prinzip wie ein voll ausgestatteter Altair 8800 mit integriertem Terminal und direkt eingebautem BASIC-Interpreter. Der Apple II war insofern eine Ausnahme, als dass er als einziger der drei Computer grafikfähig war, also nicht nur Textzeichen auf dem Bildschirm ausgeben konnte, sondern auch Linien, Kreise und andere grafische Objekte. Der TRS-80 und der PET hatten eine reine Textausgabe. Da der PET aber über viele grafische Sonderzeichen, inklusive allerlei Linien und Muster-Zeichen, verfügte – die sogenannten PETSCII-Zeichen – konnten Anwendungen und Spiele erzeugt werden, die fast die Anmutung einer echten Grafikausgabe hatten. TRS-80 und Apple II verfügten über eine leicht abgewandelte Schreibmaschinen-Tastatur. Der erste PET hatte hingegen eine gänzlich unmögliche Tastatur mit winzigen Tasten in einer eigenartigen Anordnung. Das Tastenfeld glich optisch mehr einer Tafel Schokolade als einer ernstzunehmenden Tastatur. Natürlich war dieser Missstand auch bei Commodore bekannt. Alle nachfolgenden Modelle des Rechners verfügten daher über eine sehr solide Schreibmaschinentastatur, die als einzige sogar einen Ziffernblock besaß. Dafür musste aber der eingebaute Kassettenrecorder weichen und fortan bei Bedarf extern angeschlossen werden.
Die drei Rechner richteten sich grundsätzlich an Privatleute, Schulen und kleine Firmen, wurden aber aufgrund unterschiedlicher Marktpositionierungen und Ausstattungsmerkmale unterschiedlich angenommen. Der TRS-80 war von den drei Rechnern zunächst der erfolgreichste. Sein Vorteil war, dass er vergleichsweise günstig war und durch das US-weite Netz von „Radio Shack“ überall verfügbar war. Durch die Verbreitung in diesen Elektronikläden fand er natürlich bei Elektronikbastlern Anklang. Den Commodore PET gab es in verschiedenen Ausführungen, die sich vor allem in der Speicherausstattung und in der Grafikausgabe unterschieden. Vor allem auf den Büroeinsatz war die Variante mit achtzig Zeichen pro Zeile ausgerichtet. Die günstigere Vierzig-Zeichen-Variante mit größeren Buchstaben war vor allem in Schulen beliebt. Der Apple II war erheblich teurer als TRS-80 und PET, verfügte allerdings, wie gesagt, auch als einziger über die Möglichkeit, Grafik darzustellen. In frühen Versionen des Apple II musste man sich allerdings aufgrund der Art und Weise, wie die Farbe erzeugt wurde, zwischen einer scharfen Darstellung von Text auf einem monochromen Monitor und einer bunten, aber nicht gut lesbaren Darstellung auf einem Farbmonitor entscheiden. Apples Werbung zielte vor allem auf den Heimmarkt ab. Eltern wurde nahegelegt, dass die Kinder nur dann fit für die Welt von morgen seien, wenn sie einen Apple II besäßen. Seine Verbreitung in Schulen war dementsprechend auch ziemlich hoch – und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Der Apple II blieb lange Zeit ein erfolgreiches Produkt. Er wurde als vollständig kompatibler Apple IIe bis 1993 gebaut6.
| Commodore PET | Apple II | TRS-80 | |
|---|---|---|---|
| Vorgestellt | Januar 1977 | April 1977 | August 1977 |
| Verfügbar | Dezember 1977 | Juni 1977 | August 1977 |
| Preis | 795 $ (2021: 3.520 $) | 1.298 $ (2021: 5.750 $) | 600 $ (2021: 2.660 $) |
| Zeichen | 40/80 | 40 (80 mit Zusatzkarte) | 64 |
| CPU | MOS 6502, 1 MHz | MOS 6502, 1 MHz | Zilog Z80, 1,774 MHz |
| Modul | Ja | Nein | Nein |
| Kassette | Ja | Ja | Ja |
| Diskette | Ja | Ja | Ja |
| BASIC | Microsoft | Apple, ab 1979 Microsoft | Tiny BASIC, später Microsoft |
| Betriebssystem | Keines | DOS, ProDOS, CP/M (mit Zusatzkarte) | TRSDOS, NewDOS80 |
| RAM (typisch) | 4 KB, 8 KB | 4 KB | 4 KB |
| RAM (maximal) | 32 KB | 64 KB | 16 KB |
| Grafik | Keine | 40 x 48 bei 16 Farben, 280 x 192 bei 2 Farben | Keine |
Alle drei Rechner verfügten aber über einen eingebauten BASIC-Interpreter im ROM (Read Only Memory). Man musste also kein BASIC laden, wie noch beim Altair, sondern den Rechner nur einschalten. Die Programmierumgebung stand sofort zur Verfügung. Das BASIC des Commodore PET stammte von Microsoft. Apple und Tandy hatten zunächst andere, eingeschränktere BASIC-Dialekte, schwenkten dann aber um, sodass am Ende alle drei Rechner ein von Microsoft hergestelltes BASIC verwendeten. Leider bedeutete das aber nicht, dass die BASIC-Programme zwischen den Rechnern austauschbar gewesen wären, denn nur die Grundsprache war identisch. Funktionen, die spezifischer waren, etwa zur Grafikdarstellung oder zum Zugriff auf die externen Schnittstellen waren bei den drei Rechnern unterschiedlich. Die BASIC-Programme des einen Computers waren daher inkompatibel mit den BASIC-Interpretern der anderen. Auch jenseits des BASIC-Dialekts waren die Computer nicht softwarekompatibel. Programme, die für einen Rechnertyp entwickelt wurden, liefen nur auf diesem. Nicht einmal die Codierung auf den Disketten und Kassetten an sich war identisch, sodass auch die Dateien des einen Rechners auf dem anderen nicht gelesen oder gar bearbeitet werden konnten.
Bei Markteinführung war bei den drei Rechnern die Musikkassette das Medium, auf dem Programme ausgeliefert wurden, von dem eigene Programme geladen und auf dem sie gespeichert werden konnten. Das war natürlich nicht besonders praktisch. Für alle drei Computer kamen daher zügig Diskettenlaufwerke auf den Markt. Vor allem beim PET und Apple II verdrängte die Diskettennutzung die kassettenbasierte Nutzung nahezu vollständig. Mit der Verfügbarkeit der Diskettenlaufwerke kam natürlich die Notwendigkeit für ein entsprechendes Betriebssystem. Ein solches auf Diskettennutzung optimiertes Betriebssystem wurde Disk Operating System, kurz DOS, genannt.
Sowohl Apple als auch Tandy nannten diese Software DOS (DOS und ProDOS bei Apple, TRSDOS und NewDOS/80 bei Tandy). Heute wird mit DOS meistens das Betriebssystem MS-DOS von Microsoft gemeint. Dafür ist es hier aber noch vier Jahre zu früh.
Man darf sich unter Betriebssystem hier allerdings nicht das vorstellen, was wir heute von unseren PCs und Laptops kennen oder was im Time-Sharing-Betrieb üblich war. Die Betriebssysteme von Apple II und TRS-80 erweiterten lediglich das eingebaute BASIC um Routinen zum Diskettenzugriff. Commodore verzichtete sogar gänzlich auf ein softwarebasiertes Betriebssystem im eigentlichen Sinne, sondern baute die entsprechende Funktionalität direkt in die Diskettenlaufwerke ein.
Fazit
So wichtig die Geräte für die frühe Geschichte persönlicher Computer waren, so vergleichsweise unwichtig waren sie aus Nutzungsschnittstellen-Sicht. Zwar machen die Rechner die Computertechnik der Bevölkerung jenseits der Selbstbastler und Computerbegeisterten zugänglich, in Sachen Nutzungsschnittstelle bieten sie jedoch keinen Vorteil zu einem voll ausgestatteten Altair 8800 mit laufendem Altair-BASIC von Microsoft. Die Nutzer bedienen in allen Fällen eine für Time-Sharing-Systeme auf Fernschreiber-Basis entwickelte Programmiersprache, die um das Handling lokaler Datenträger erweitert wurde.