Anmerkungen
Grundlagen
1Der Begriff der Kognition umfasst alle Denk-, Lern- und Wahrnehmungsvorgänge und wird uneinheitlich benutzt. Da der Begriff auch oft für das Denken in einem umfassenden Sinn verstanden wird, betrachten wir die Begriffe Denken und Kognition in unserem Kontext als synonym, denn eine präzise Abgrenzung ist für unseren Gestaltungsansatz nicht erforderlich.↩
2Siehe hierzu Keil, Reinhard: Das Differenztheater. Koaktive Wissensarbeit als soziale Selbstorganisation. In: Bublitz, H., Marek, R., Steinmann, C., Winkler, H. (Hrsg.): Automatismen. Wilhelm Fink: München, 2010, S. 205-229, sowie insbesondere das Kapitel „Differential Experience“ in der Dissertation von Felix Winkelnkemper: Responsive Positioning: A User Interface Technique Based on Structured Space. Universität Paderborn, 2018.↩
3Erstveröffentlichung 1953, heute verfügbar etwa in: Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen. Kritisch-genetische Edition. Herausgegeben von Joachim Schulte. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Frankfurt 2001.↩
4Gibson, James J.: The Ecologial Approach on Visual Perception. Taylor & Francis Group, New York, Hove, 1986, S. 257.↩
5Andernfalls kommt es zu einer Realitätsablösung, deren mögliche Konsequenzen Paul Watzlawik in seinem Buch „Wie wirklich ist die Wirklichkeit? – Wahn, Täuschung, Verstehen“ sehr anschaulich und unterhaltsam dargestellt hat.↩
6Es ist durchaus möglich, in Einzelfällen, z. B. bei Inselbegabungen, diese Beschränkungen zu durchbrechen. Der Neurologe Oliver Sacks berichtet in seinem Buch „Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte“ von Zwillingen, die in der Lage waren, einen Sack Murmeln im Fallen zu zählen. Die Aussagen in unserem Buch beziehen sich ausdrücklich weder auf Personen, die mit außergewöhnlichen Begabungen ausgestattet sind, noch auf solche mit besonderen physischen oder kognitiven Herausforderungen; dazu wären jeweils gesonderte Betrachtungen erforderlich. ↩
7Berman, Morris: Wiederverzauberung der Welt. Am Ende des Newton’schen Zeitalters. Dianus-Trikont Buchverlag. München. 1983.↩
8Die Erfindungen der Zahl Null und des Stellenwertsystems (räumliches Arrangement) sind entscheidende Faktoren dafür, dass schriftliches Rechnen performant möglich ist. Additive Zahlensysteme wie das römische oder das sumerische erfüllen diese Voraussetzungen nicht. Zwar kann man mit viel Mühe auch mit diesen Zahlensystemen schriftlich rechnen, der Prozess ist allerdings erheblich komplexer, sodass man in vielen Kulturen mit speziellen Geräten rechnete (Abakus oder Rechentisch) und nur die jeweiligen Ergebnisse schriftlich fixierte. Da hierbei keine schriftliche Spur des Rechenprozesses entsteht, erfordert eine Kontrolle des Rechenergebnisses die Wiederholung des gesamten Prozesses. Damit steigen die Fehleranfälligkeit sowie der Aufwand, Fehler zu korrigieren.↩
9Ifrah, Georges: Universalgeschichte der Zahlen. 2. Auflage. Campus Verlag Frankfurt am Main/New York. 1991. S. 28 f.↩
10Auch wenn wir uns in diesem Buch auf die ergonomischen Fragen der Gestaltung der Nutzungsschnittstelle beschränken, lassen sich diese Überlegungen auch auf den Bereich der Usability, also der Frage nach der Unterstützung der jeweiligen Arbeitsaufgaben, übertragen. Betrachtungen hierzu sind jedoch dann in hohem Maße kontextabhängig. ↩
11Jacob Nielsen bezeichnet solche Objekte als Chrome. https://www.nngroup.com/articles/browser-and-gui-chrome/ (zuletzt besucht: 06. 03. 2023)↩
12Tognazzini, Bruce: Tog on Interface. Boston, MA. Addison-Wesley Longman Publishing Co. Inc., 1992.↩
13In der Informatik spricht man von einer „Abstraktionsschicht“. Wir halten den Begriff „Abstraktion“ an dieser Stelle aber nicht für besonders hilfreich, denn keine der beiden Seiten einer Nutzungsschnittstelle, die Objektwelt auf der Nutzungsseite und die technischen Gegebenheiten auf der Geräteseite, ist eine Abstraktion der jeweils anderen. Auf der einen Ebene gibt es lediglich physikalische Datenträger-Adressen und Bitströme, die auf einen Datenträger geschrieben oder von ihm gelesen werden sollen. Auf der Nutzungsebene gibt es hingegen Dateien und Verzeichnisse. Auf der hardwarenahen Seite der Schicht existieren keine Dateien, auf der Nutzungsseite hingegen ist es nicht mehr, als direkt durch Angabe einer Hardwareadresse auf einzelne Bytes eines Speichermediums zuzugreifen.↩
14Näheres dazu unter https://computergeschichte.net/.↩
15Von Neumann, John. First Draft of a Report on the EDVAC, 1945. Reprinted in IEEE Annals of the History of Computing 15.4 (1993): 27-75.↩
16Fernschreiber wie der ASR-33 verfügten über eine „Rubout“-Taste, die gedrückt werden konnte, um durchzugeben, dass das vorher gesendete Zeichen „ausgewischt“ werden soll. Tatsächlich wurde das vorherige Zeichen nicht vom Papier getilgt. Wenn ein solches Zeichen an den Computer geschickt wurde, löschte er die Eingabe intern und schickte zur Bestätigung ein neues Zeichen, häufig das Dollarzeichen, zurück, um darzustellen, dass die Eingabe akzeptiert wurde.↩
17Der Begriff „Direkte Manipulation“ wurde 1983 von Ben Shneiderman geprägt (Shneiderman, Ben. Direct Manipulation: A Step Beyond Programming Languages. In: ACM SIGSOC Bulletin. ACM, 1981. S. 143). Obwohl wir den Begriff an dieser Stelle etwas anders nutzen, schien uns diese Bezeichnung sinnvoll, weil die nachfolgend beschriebenen Qualitäten auch im Kern von Shneidermans Überlegungen stehen. ↩
18Wegner, Peter: Why Interaction is More Powerful Than Algorithms. In: Communications of the ACM, Vol 40. No 5, 1997, pp. 80-91.↩
19Damit geht meist auch eine Akzentverschiebung weg vom grundlegenden Gestaltungswissen hin zu methodischen Vorgehensweisen einher. Eine breitere Darstellung zeigt die Dissertation von Florian Klompmaker „Entwicklung eines strukturierten Prozesses des Interaktionsdesigns für natürliche Benutzungsschnittstellen“, Universität Paderborn, 2015.↩
20Köhler, Wolfgang: Gestalt Psychology. Horace Liveright, New York, 1929.↩
21Man muss mit Begriffen wie „Lösung“ oder „Kompromiss“ vorsichtig sein, denn sie suggerieren, dass Evolution ein denkendes Wesen ist, das bewusste Entscheidungen trifft. Die Begriffe sind daher nur metaphorisch zu verstehen.↩
22Yarbus, Alfred L.: Eye Movements and Vision. Springer, 2013. Original von 1967.↩
23Beschrieben in Gregory, Richard L.: Eye and Brain. The Psychology of Seeing. Oxford: Oxford University Press, 1998. Deutsch: Auge und Gehirn. Psychologie des Sehens. Reinbek: Rowohlt, 2001.↩
24Umfangreich beschrieben in Gregory, Richard L.: Eye and Brain. The Psychology of Seeing. Oxford: Oxford University Press, 1998. Deutsch: Auge und Gehirn. Psychologie des Sehens. Reinbek: Rowohlt, 2001.↩
25Abbildung in Anlehnung an Teachsam – http://teachsam.de/psy/psy_wahrn/psy_wahrn_4_2_3_9.htm. Zeichnung des Gehirns: Freepik – https://www.freepik.com/free-psd/brain-outline-illustration_65105163.htm↩
26Hoffman, Donald D.: Visuelle Intelligenz. Wie die Welt im Kopf entsteht. Klett-Cotta, 2000.↩
27Dresp-Langley, Birgitta and Adam Reeves: Color and Figure-Ground: From Signals to Qualia. In: S. Magnussen, M. Greenlee, J. Werner, A. Geremek (Eds.): Perception Beyond Gestalt: Progress in Vision Research. Psychology Press, Abingdon (UK), pp. 159-171, 2013.↩
28Dresp-Langley, Reeves (siehe oben)↩
29Troscianko, Tom; Montagnon, Rachel; Le Clerc, Jaques; Malbert, Emmanuelle and Chanteau, Pierre-Louis (1991): The Role of Colour as a Monocular Depth Cue. Vision Research, Volume 31, No. 11, pp. 1923-1930. Pergamon Press. 1991.↩
30O’Shea, Robert P.; Blackburn, Shane G. and Ono, Hiroshi: Contrast as a Depth Cue. Vision Research, Volume 34, No. 12, pp. 1595-1604. 1994.↩
31Ichihara, Shigeru; Kitagawa, Norimichi and Akutsu, Hiromi: Contrast and Depth Perception: Effects of Texture Contrast and Area Contrast. In: Perception, Volume 36, No. 5, pp. 686-695. 2007.↩
32Sundet, Jon Martin: Effects of Colour on Perceived Depth: Review of Experiments and Evalutaion of Theories. Scandinavian Journal of Psychology, 19. Jg., Nr. 1, S. 133-143. 1978.↩
33Dresp-Langley, Reeves (siehe oben)↩
Ergonomische Nutzungsschnittstellen
1Nielsen, Jacob and Molich, Rolf: Heuristic evaluation of user interfaces, Proc. ACM CHI’90 Conference, Seattle, WA, 1-5 April 1990, 249-256. eine aktualisierte Fassung seiner heuristischen Regeln findet sich auf der Webseite seines Unternehmens: https://www.nngroup.com/articles/ten-usability-heuristics/.↩
2Shneiderman, Ben; Plaisant, Catherine; Cohen, Maxine; Jacobs, Steven and Elmqvist, Niklas: Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer Interaction. Sixth Edition, Boston: Pearson, 2016.↩
3Damit eine Lösung mit einem Button an dieser Stelle funktioniert, müssen das Aktualisierungsprogramm und die Anwendung selbst eine passende technische Schnittstelle anbieten, mittels derer ein Beenden möglich ist. Dies ist in diesem Beispiel sicherlich der Fall, denn das Installationsprogramm für eine komplett neue Programmversion verfügt über genau diese Funktionalität.↩
4Zu nicht irdischen Nutzungsschnittstellen verweisen wir auf Shedroff, Nathan und Noessel, Christopher: Make It So: Interaction Design Lessons from Science Fiction. Rosenfeld Media. 1. Auflage. 2012.↩
5Eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem Ansatz des flat design findet sich in Winkelnkemper, Felix und Keil, Reinhard: Zwischen Design und Flexibilität – Zur Ergonomie des Flat Design. 2014. In: Butz, A., Koch, M. & Schlichter, J. (Hrsg.), Mensch & Computer 2014 - Tagungsband. Berlin: De Gruyter Oldenbourg. (S. 255-264) und in einem entsprechenden Web-Magazin-Beitrag von t3n.↩
Präsentation
1Jack M. Carroll und Sandra A. Mazur wiesen bereits in der Frühphase der Entwicklung grafischer Nutzungsoberflächen darauf hin, dass es bei der Gestaltung in erster Linie auf die Unterstützung von Lernprozessen ankomme, da auch die Bedeutung bildhafter Objekte erst durch Handeln erschlossen werden muss: Lisa Learning. IEEE Computer; December 1986, 19(11):35-49. ↩
2Siehe etwa Benway, Jan Panero: Banner Blindness: The Irony of Attention Grabbing on the World Wide Web. Proceedings of the Human Factors and Ergonomics Society Annual Meeting. Vol. 42. No. 5. Sage CA: Los Angeles, CA: SAGE Publications, 1998.↩
3Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.09.2003, Nr. 222 / Seite 9.↩
4Rawlinson, Graham E.: The Significance of Letter Position in Word Recognition (Dissertation, University of Nottingham). 1976.↩
5Psychological Science, Bd. 17, Nr. 3; S. 192.↩
6Radach, Ralph; Günther, Thomas und Huestegge, Lynn: Blickbewegungen beim Lesen, Leseentwicklung und Legasthenie. Lernen und Lernstörungen. 1. Auflage, Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern, S. 185-204.↩
7Es handelt sich um eine sinnvolle Technik für die Erzeugung von Icons und Symbolen. Ihre Implementierung ist jedoch nur ein technischer Kniff, denn man schreibt mit Icon-Fonts keine Texte, sondern verwendet vielmehr einzelne „Buchstaben“ zur Erzeugung von Piktogrammen. Mehr zu Piktogrammen erfahren Sie im folgenden Kapitel.↩
8Im deutschen Typographie-Sprachgebrauch wird oft der Begriff „Antiqua-Schrift“ verwendet. Wir bleiben aber beim Ausdruck „Serifenschrift“, denn dieser beschreibt besser, was die Schriftart ausmacht.↩
9Im deutschen Typographie-Sprachgebrauch wird von „Grotesk-Schriften“ gesprochen.↩
10Willberg, Hans-Peter: Wegweiser Schrift: Was passt – was wirkt – was stört? 5. überarbeitete Neuauflage, Verlag Hermann Schmidt, Mainz. 2017.↩
11Legge, Gordon E.; Rubin, Gary S.; Pelli, Denis G. and Schleske, Mary M.: Psychophysics of Reading. II. Low Vision. Vision Res. Vol. 25, No.2, pp. 253-266. Pergamon Press Ltd. UK. 1985.↩
12Greco, Massimo; Stucchi, Natale; Zavagno, Daniele and Marino, Barbara: On the Portability of Computer-Generated Presentations: The Effect of Text-Background Color Combinations on Text Legibility. In: Human Factors: The Journal of the Human Factors and Ergonomics Society. pp. 821-833. 2008.↩
13Dobres, Jonathan; Chahine, Nadine and Reimer, Bryan: Effects of Ambient Illumination, Contrast Polarity, and Letter Size on Text Legibility Under Glance-Like Reading. In: Applied Ergonomics, pp. 68-73. 2017.↩
14Auch die Geschwindigkeit, mit der man sich bewegt, spielt bei den Schildern eine Rolle, ist jedoch für unser Thema nicht relevant.↩
15https://docs.microsoft.com/en-us/windows/desktop/learnwin32/dpi-and-device-independent-pixels↩
16Daneben existiert bei Android die Einheit sp unter Berücksichtigung des Skalierungsfaktors.↩
17Siehe dazu die Abschnitte „Räumliche Objektarrangements“ und „Direkte Manipulation“ im historischen Teil Potenziale interaktiver Nutzungsschnittstellen. Bei der Entwicklung des Xerox-Star (1981), dem ersten kommerziellen Computer mit einer durchgehenden grafischen Nutzungsschnittstelle, waren die Möglichkeiten zum räumlichen Arrangement manipulierbarer Objekte das zentrale Feature für Direkte Manipulation: „Direct manipulation requires that distinct functions be invoked and controlled in spatially distinct locations, in ways that are specific and appropriate for the particular function being controlled…Similar functions should indeed have similar user interfaces across contexts. Direct manipulation requires, however, that different functions should have distinct interfaces.“ Johnson, Roberts (1989), S. 14). Quelle: Johnson, J., Roberts, T.L., Verplank, W., Smith, D.C., Irby, C.H., Beard, M., Mackey, K.: The Xerox Star: A Retrospective. IEEE Computer; Vol. 22, No.9; September 1989; S. 11 – 19↩
18Es ist daher nicht besonders verwunderlich, dass die Einrichtung zum Zwischenspeichern ausgeschnittener oder kopierter Objekte im Deutschen anders als im Englischen nicht „Klemmbrett“ (Clipboard), sondern viel allgemeiner „Zwischenablage“ genannt wird.↩
19Zwar gibt es immer wieder Entwicklungen von Icon-Sprachen, beispielsweise im Bereich der visuellen Programmierung, doch sind diese immer in einem speziellen Anwendungskontext zu sehen. Schwerer noch wiegt, dass eine solche Grammatik mit ihren syntaktischen und semantischen Regeln die grafischen Ausdrucksmöglichkeiten einschränkt. Wir gehen daher davon aus, dass Icons vom Grundsatz her keiner Grammatik unterliegen und in dieser Hinsicht frei gestaltbar sind.↩
20Die Kombination aus Icon und Text würde zusätzlich noch die Handhabbarkeit, die wir im Kapitel Eingaben besprechen, verbessern, da die anklickbare Fläche deutlich größer würde.↩
21Mit den Überlegungen, ob ein Zeichen abbildet, wofür es steht, ob es willkürlich ist oder ob es einen Hinweis auf etwas anderes verkörpert (wie etwa Rauch als Hinweis auf Feuer), befinden wir uns im Bereich der Semiotik, der Lehre der Zeichen und ihres Gebrauchs. Wie jede Wissenschaft hat die Semiotik eine Reihe von Grundbegriffen und, wie in vielen Bereichen, gibt es für all diese Begriffe die verschiedensten Definitionen. Um die Begriffe wissenschaftlich korrekt nutzen zu können, müssten wir eigentlich die Geschichte der Definition von Begriffen wie „Zeichen“, „Symbol“, „Icon“ und „Index“ genau untersuchen. Wir würden dabei feststellen, dass in der einen Variante ein Symbol ein Zeichen ist, das noch eine Ähnlichkeit mit dem Bezeichneten hat, während in einer anderen Variante das Symbol sich dadurch auszeichnet, gerade keinen eigenen Bezug zum Bezeichneten zu besitzen. Eine solche Gegenüberstellung mag interessant sein, doch führt sie uns an dieser Stelle nicht weiter. Wir gehen es deshalb pragmatisch an und verzichten im Weiteren darauf, die Worte „Zeichen“ oder „Symbol“ mit unterschiedlichen Bedeutungen zu belegen. Wenn Sie ein Icon benennen müssen, ist das Wort „Symbol“ übrigens im Deutschen die übliche Bezeichnung (zum Beispiel: „Klicken Sie auf das Speichern-Symbol!“).↩
22Siehe hierzu auch unsere Ausführungen zur räumlichen Zuordnung von Bildschirmobjekten im Kapitel Anordnung).↩
23Wandmacher, Jens; Müller, U.: On the Usability of Verbal and Iconic Command Representations. Zeitschrift für Psychologie, 9. Jahrgang, S. 35-45. 1987.↩
24Wandmacher und Müller führten noch ein zweites Experiment durch, bei dem es darum ging, aus dem Gedächtnis wiederzuerkennen, für welche Funktion ein Icon stand. Weil es jedoch praxisnäher ist, reicht uns für unsere Betrachtungen das erste Experiment.↩
25Arend, Udo und Wandmacher, Jens (1989): Gestaltungsprinzipien für Piktogramme und ihr Einfluss auf die Menüauswahl. Notizen zu Interaktiven Systemen. 17. 5-27. Wiedergabe nach Wandmacher, Jens: Software-Ergonomie. 1993. Begrifflichkeiten zwecks Konsistenz mit den von uns gewählten Ausdrücken angepasst.↩
26Arend, U., Muthig, K. P., & Wandmacher, J. (1987). Evidence for global feature superiority in menu selection by icons. Behaviour & Information Technology, 6(4), 411-426.↩
27Das Bild stammt aus unserem Archiv. Leider ist es uns aufgrund des generischen Titels nicht gelungen, die Software zu identifizieren. Wenn Sie in Ihrem Software-Archiv noch eine Kopie davon haben sollten, melden Sie sich doch bitte bei uns!↩
28Die in orange eingezeichneten Fluchtlinien stehen gewissermaßen außer Konkurrenz, denn sie verkörpern die linken Begrenzungen des Navigationsbereichs oben im Bild bzw. der Button-Leiste unten. Da diese jeweils verschiedene Handlungs- und Wahrnehmungsbereiche verkörpern, müssen die dortigen Objekte nicht unbedingt mit denen des Hauptbereichs in eine Flucht gebracht werden.↩
29Chapanis, Alphonse; Lindenbaum, Lionel E.: A Reaction Time Study of Four Control-Display Linkages. Human Factors 1.4: 1-7. 1959.↩
30Zusammengefasst in Dickens, Christopher D., Hollands, Justin G.: Engineering Psychology and Human Performance. 2000. S. 351 – Einzelne Untersuchungsergebnisse zum Beispiel in Hoffmann, Errol R. and Chan, Alan H.S.: Alternative approaches to the design of four-burner stoves. Ergonomics 54:9 (2011): 777-791 und Osborne, David W. and Ellingstad, Vernon S.: Using Sensor Lines to Show Control-Display Linkages on a Four Burner Stove. Proceedings of the Human Factors Society Annual Meeting. Vol. 31. No. 5. Sage CA: Los Angeles, CA: SAGE Publications, 1987.↩
31Dass Microsoft damals an dieser Stelle spezifische Buttons verwendet hat, hat uns beim Rückblick auf das System überrascht, denn im Großen und Ganzen war und ist Windows durchsetzt mit generischen Buttons.↩
32Diese Fünferbildung geht auf das römische Zahlensystem zurück, bei dem fünf Striche durch ein neues Zahlzeichen (V) ersetzt werden. Je nach Anwendungsfall gibt es für die Bildung von Gruppen internationale Konventionen und Normen wie z. B. die ISO-Norm ISO 13616-1:2020 für die IBAN oder Konventionen zur Darstellung von Postleitzahlen und Telefonnummern (DIN 5008), die grundsätzlich beachtet werden sollten. Diese Regelwerke behandeln zusätzliche Aspekte aus dem Bereich Gebrauchstauglichkeit wie die Nutzung von Sonderzeichen, die Gruppenbildung für den Fall, dass aufgrund der Anzahl die Aufteilung nicht gleichmäßig erfolgen kann, oder auch wie z. B. die Platzierung aufgrund semantischer Kriterien vorzunehmen ist. Diese Regelwerke beachten die von uns vorgestellten grundsätzlichen Aspekte des Gruppierens (Chunking). Sollte dies in einzelnen Fällen nicht der Fall sein, sind die bereichsspezifischen Regelungen vorrangig zu erfüllen. ↩
33Wir haben uns die Freiheit genommen, alle Elemente beliebig anordnen zu können. An einem echten Automaten kann der Gestaltungsspielraum dagegen eingeschränkt sein, weil die enthaltenen technischen Komponenten nicht beliebig eingebaut werden können oder die Gruppenbildung sogar vorgeben.↩
Interaktion
1Eine Ausnahme bilden typische Tastenkombinationen wie Steuerung+S, um ein Dokument zu speichern. In diesen Fällen richtet sich die Eingabe nicht an ein spezielles Bildschirmelement, sondern an die Anwendung als Ganzes.↩
2An dieser Stelle sollen jetzt nicht die Vor- und Nachteile der Maus- oder Tastaturnutzung behandelt werden. Mehr zu diesem Thema findet sich im Kapitel Heterogenität.↩
3Dass der Slider in diesem Fall ungeeignet ist, liegt daran, dass die Software ursprünglich nicht für lange Spielfilme gedacht war, sondern für die Wiedergabe von Musikstücken, deren Länge in der Regel 2-5 Minuten beträgt.↩
4Die Schreibweise variiert oft. Auch die Schreibung „Fitts’ Law“ ist üblich.↩
5Fitts, Paul M.: The information capacity of the human motor system in controlling the amplitude of movement. In: Journal of Experimental Psychology, Issue 47, No. 6, p. 381. 1954.↩
6Das Experiment oder der Versuchsleiter↩
7Das „Subject“, also der Versuchskandidat↩
8MacKenzie, Ian Scott: A Note on the Validity of the Shannon Formulation for Fitts’ Index of Difficulty. In: Open Journal of Applied Sciences, Issue 3, No. 6, pp. 360-368. 2013.↩
9Radiobuttons sind den Knöpfen für die Stations- oder Bandwahl an alten Radios angelehnt. Bei diesen muss zu Beginn immer erst der Frequenzbereich ausgewählt werden, in dem der gewünschte Sender ausstrahlt. Diese Wahl ist alternativ, d. h. man kann z. B. entweder UKW oder Mittelwelle hören. Drückt man einen der Knöpfe hinein, springt der andere automatisch heraus.↩
10Die Apple Lisa war Apples erster Computer mit einer grafischen Nutzungsoberfläche. Er erschien ein Jahr vor dem Macintosh, dessen Nachfolger es noch heute gibt.↩
11Aktuelle Chrome-Versionen scheinen dieses Feature nicht mehr zu besitzen. Sucht man nach „Link Disambiguation Pop-up“, findet man eine Unmenge von Beschwerden und Fehlerbeschreibungen. Damit wird für uns aber nicht die Sinnhaftigkeit einer solchen Funktion an sich in Frage gestellt. Vielmehr verweist es auf die Schwierigkeit, im Vorhinein abschätzen zu können, wann eine Selektion mehrdeutig ist und wann nicht.↩
12Potter, Richard L.; Weldon, Linda J. and Shneiderman, Ben: Improving the Accuracy of Touch Screens: An Experimental Evaluation of Three Strategies. 1988.↩
13Der Ausdruck wird gelegentlich auch im Zusammenhang mit „natürlichen Nutzungsschnittstellen“ diskutiert, wobei unter dem Begriff natürlich in diesem Kontext Eingabeformen ohne Tastatur und Maus wie Gestik oder Sprache verstanden werden. Häufig verwendet wird er aber als Bezeichnung einer Führungsmethode, die darauf abzielt, Mitarbeitern und Untergebenen im Gespräch nicht nur mitzuteilen, was nicht so gut gelaufen ist, sondern mit ihnen konstruktiv herauszuarbeiten, wie ein Ziel erreicht werden könnte.↩
14Vielleicht ist Ihnen ein weiteres Problem aufgefallen, das wir im vorherigen Kapitel besprochen haben. Es läge im Sinne der Eingabeminimalität nahe, die Möglichkeit zum Speichern direkt an dieser Stelle anzubieten. Diese Option wird zwar im Text angesprochen, aber der Button zur Ausführung fehlt.↩
15Die Meldung entstammt einem realen Praxisbeispiel. Wir haben lediglich den Hintergrund der Anwendung ein bisschen ausgeschmückt, damit die Meldung gut verbessert werden kann.↩
16Die Erkenntnisse wurden in zwei studentischen Abschlussarbeiten erarbeitet: Petrausch, Vanessa: Reduction of Saccade Movements by Structured Design – An Experimental Analysis. Masterarbeit, 2015. Universität Paderborn. und Schlichtig, Michael: Evaluation von Gestaltungsempfehlungen im Rahmen einer hypothesengeleiteten Technikgestaltung. Bachelorarbeit, 2017. Universität Paderborn.↩
17Siehe oben.↩
18Gregory, Richard L.: Auge und Gehirn. Psychologie des Sehens. Rowohlt Taschenbuch Verlag: Reinbek bei Hamburg. 2001. S. 181 ff.↩
19Die Verzögerung ist mit analoger Technik realisiert worden. Das Bild der Fernsehkamera wird auf ein Videoband aufgezeichnet, aber an anderer Stelle abgetastet, um das Fernsehbild zu produzieren. Um die Verzögerung zu erreichen, wird die Strecke zwischen dem Aufnahmekopf und dem Lesekopf vergrößert, indem das Band nach außen umgelenkt wird.↩
20Seow, Steven C.: Designing and Engineering Time. The Psychology of Time Perception in Software. Addison Wesley: Boston, 2008.↩
21Harrison, Chris; Yeo, Zhiquan and Hudson, Scott E.: Faster Progress Bars: Manipulating Perceived Duration with Visual Augmentations. In: Proceedings of the 28th Annual SIGCHI Conference on Human Factors in Computing Systems (Atlanta, Georgia, April 10-15, 2010). CHI ‘10. ACM, New York, NY. 1545-1548.↩
22Sowohl beim Listening als auch beim Polling wird signalisiert, wenn etwas passiert. Sie sind zum Beispiel ein Listener zu Ihrem Telefon. Das Telefon meldet sich lautstark bei Ihnen, wenn jemand anruft.↩
23Würde das Telefon auf Polling basieren, würde es nicht klingeln. Stattdessen müssten Sie in regelmäßigen, meist sehr kleinen Abständen nachsehen, ob Sie gerade jemand anruft. Für das Telefonbeispiel mag das seltsam erscheinen, doch ist Polling ziemlich verbreitet und technisch viel einfacher zu realisieren.↩
24Nachzulesen etwa unter http://www.sueddeutsche.de/digital/zweite-basketball-bundesliga-wenn-ein-windows-update-zum-abstieg-fuehrt-1.2410410↩
Orientierung
1Unter einer Bildschirmseite verstehen wir ein Objektarrangement, das zu einem Zeitpunkt komplett auf einem Bildschirm dargestellt werden kann.↩
2Johnson, Jeff A.; Roberts, Theresa L.; Verplank, William; Smith, David C.; Irby, Charles H.; Beard, Marian and Mackey, Kevin: The Xerox Star: A Retrospective. IEEE Computer, Vol. 22, No. 9, 1981, pp. 11-28.↩
3Siehe https://web.archive.org/web/20120825022734/http://www.useit.com/alertbox/ui-chrome.html Der Ausdruck hat nichts mit dem fast gleichnamigen Browser von Google zu tun.↩
4Nicht berücksichtigt werden typische Hypertext-Techniken wie in den Text eingelassene Links, bei denen es keine explizite Nutzungsschnittstelle gibt. Ein Beispiel ist Wikipedia, wo es innerhalb eines Textes Verweise zu anderen Stichworten gibt. Wir lassen diese Navigationstechniken jedoch außen vor, weil es sich bei ihnen eher um einen Teil und eine Eigenschaft des Dokumentinhalts handelt als um eine explizite Nutzungsschnittstelle. Mit Hypertext und Hyperlinks sind eigene Probleme und Herausforderungen verbunden, die vor allem in der Hypertext-Literatur der 1990er Jahre intensiv aufgearbeitet worden sind. ↩
5Miller, George A.: The Magical Number Seven, Plus or Minus Two: Some Limits on Our Capacity for Processing Information. The Psychological Review, No. 63, 1956, pp. 81-97.↩
6Früher funktionierte dies auch in Word, doch aktuelle Word-Versionen unterstützen den Überschreiben-Modus nicht mehr. In OpenOffice und LibreOffice ist er – Stand Oktober 2023 – noch verfügbar.↩
7Genauer gesagt handelt es sich um die Software Lightroom Classic. Das ebenfalls existierende Lightroom ohne den Zusatz „Classic“ hat momentan weniger Funktionalität als der große, „alte“ Bruder und daher auch weniger mit Modusproblemen zu kämpfen.↩
Flexibilität
1Zum Beispiel in https://www.pcwelt.de/ratgeber/12-Machen-personalisierte-Menues-die-Bedienung-einfacher-67949.html↩
2Das Anpassungsfenster von Windows 2 verfügt über einen „Reset“-Knopf, erlaubt also ein Zurückkehren zu einer vorherigen Einstellung. Allerdings handelt es sich nicht um das Standardfarbschema. Reset stellt nur den Zustand vor dem Aufruf des Anpassungsfensters wieder her. Hat man zuvor ein schlechtes Farbschema konfiguriert und das Fenster anschließend geschlossen, hilft Reset nicht beim Wiederherstellen der Standardkonfiguration, sondern entspricht einem Undo.↩
3Johnson, Jeff A.; Roberts, Teresa L.; Verplank, William; Smith, David C.; Irby, Charles H.; Beard, Marian and Mackey, Kevin: The Xerox Star: A Retrospective. Computer, Issue 22, No. 9. pp. 11-26. 1989. Palo Alto, CA.↩
Konventionen
1Die Grenzen zwischen den vorgestellten Bereichen der Konventionen sind nicht trennscharf. Wir könnten zum Beispiel auch die Konventionen betrachten, die durch Organisationen und Firmen vorgegeben werden. Sie definieren Vorgaben für bestimmte Zeichen, Logos, Bezeichnungen und, sehr prominent, die Farbgestaltung. Wenn wir Organisationen mit in die obige Liste aufnähmen, würden wir allerdings nur Aspekte wiederholen, die bei den Aufgabenkonventionen und den kulturellen Konventionen bereits betrachtet werden. ↩
2Was genau jeweils als Prozess bezeichnet wird, ist nicht einheitlich. Vereinfacht kann man sich einen Prozess als ein gerade laufendes Programm vorstellen. Wenn nun ein Programm ein anderes Programm verwendet, etwa eine Videoschnittsoftware ein Programm zum Komprimieren von Videos, dann ist das Komprimierungsprogramm der Kind-Prozess und die Videoschnittsoftware der Eltern-Prozess.↩
3Horton, William: The Icon Book: Visual Symbols for Computer Systems and Documentation. John Wiley & Sons. 1994.↩
Exkurse
1Shneiderman, Ben; Plaisant, Catherine; Cohen, Maxine; Jacobs, Steven, and Elmqvist, Niklas: Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer Interaction: Sixth Edition, Pearson. 2016.↩
2„Natural Scrolling Vs. Reverse Scrolling – Which Do You Prefer?“, http://www.johnchow.com/natural-scrolling-vs-reverse-scrolling-which-do-you-prefer - zuletzt aufgerufen im April 2019.↩
3Diese Möglichkeit war gerade der Grund hinter der Entwicklung der Textverarbeitung bzw. des Programmeditors. Mehr dazu im Unterkapitel Editor in unseren Grundlagen zu den Potenzialen interaktiver Nutzungsschnittstellen.↩
4Crawford, Chris: The Art of Interactive Design: A Euphonious and Illuminating Guide to Building Successful Software. San Francisco: No Starch Press, 2003. S. 5. (Übersetzung durch die Autoren)↩
5Freie Übersetzung von „I screwed up!“ ↩
6Crawford, Chris: The Art of Interactive Design: A Euphonious and Illuminating Guide to Building Successful Software. San Francisco: No Starch Press, 2003. S. 5. (Übersetzung durch die Autoren)↩
7Von Helmholtz, Hermann: Handbuch der physiologischen Optik. Voss. 1867.↩
8Goethe, Johann Wolfgang von: Zur Farbenlehre. 1810.↩
9Hering, Ewald: Zur Lehre vom Lichtsinn V – Grundzüge einer Theorie des Lichtsinnes. Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe, Abth. 1874. 69. Jg. S. 85-144.↩
10Bild nach Welsch, Norbert und Liebmann, Claus Christian: Farben: Natur, Technik und Kunst. Springer Verlag. 2018.↩