Grundlegende Spielaufstellungen
Bevor wir zu den strategischen Spielzügen kommen, möchte ich dir gerne ein paar grundlegende Tätigkeiten an die Hand geben, die du in jeder Situation spielen kannst. Die grundlegenden Tätigkeiten (im englischsprachigen Original “Basic Operations” genannt) verbessern die Organisation etwa durch Optimierung der internen Prozesse, Strukturen und Geschäftsmodelle, um die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation zu steigern und sie für zukünftige Entwicklungen zu rüsten. Es sind keine einzelnen Spielzüge, sondern vielmehr grundlegende Spielaufstellungen, die sich in vielen Situationen bisher als nicht ganz unvorteilhaft herauskristallisiert haben.
Simon Wardley hat diese Spielaufstellungen später in seinem Buch in Kapitel 4 zu den sog. “Doctrines” (dt. Maxime) ausgebaut, wo er diese Muster detaillierter beschreibt. Mittlerweile haben sich rund 40 dieser Maxime angesammelt. In einem Tweet gibt er auch einen Warnhinweis, dass es sehr sinnvoll ist, sich zuerst mit den Maximen auseinanderzusetzen, und daran zu arbeiten, sie zu befolgen, bevor in die strategischen Spielzüge eingetaucht wird (von mir ins Deutsche übersetzt):
Das Problem mit strategischen Spielzügen ist, dass es in den Händen eines begeisterten Amateurs sehr gefährlich und sogar kontraproduktiv sein kann.
– Simon Wardley
Im Folgenden erläutere ich die Maxime aus Simons ursprünglichen Blogpost, um dir zumindest ein erstes Bild davon zu geben. Viele der ursprünglichen Maxime sind teilweise in weiteren Maximen aufgeteilt oder zu Spielzügen umformuliert worden. In diesem Buch reichen uns jedoch die ursprünglichen Maxime für ein erstes Kennenlernen aus. Für weitere Details zu den Maximen empfehle ich dir den Einstieg über Ben Moisors Übersichtsseite zu Doctrine.
Der Aufbau der Spielaufstellungen (sowie den späteren Spielzügen) ist wie folgt:
- Beschreibung: ein kurzer Text, welcher die Spielaufstellung bzw. den Spielzug kurz erklärt.
- Kontext: eine typische Situation, in welcher die Spielaufstellung / der Spielzug angewandt werden könnte.
- Anwendung: Hinweise, wie die Spielaufstellung / der Spielzug durchgeführt wird.
- Praxisbeispiele: Ein bis fünf beispielhafte Situationen, in denen die Spielaufstellung / der Spielzug (vermutlich) angewandt wurde. Viele der Beispiele haben nur am Rande mit Softwaremodernisierung zu tun, aber helfen dir nichtsdestotrotz, sie auf deine individuelle Situation zu übertragen. Bitte beachte, dass diese Beispiele im Laufe der Zeit aktualisiert und erweitert werden könnten. Zudem werden fehlende Quellen bei den bestehenden Beispielen inkrementell hinzugefügt.
- Beispielszenario aus der Softwaremodernisierung: Ein Text, welcher die Inhalte noch einmal für den Einsatz bei der Weiterentwicklung von Softwaresystemen verdeutlicht.
- Konsequenzen: Positive wie negative Effekte, die die Spielaufstellung / der Spielzug fabriziert.
In den folgenden Abschnitten findest du nun die grundlegenden Spielaufstellungen aufgelistet. Bei jeder Spielaufstellung habe ich die Ausrichtung ergänzt (bzw. selbst zugeordnet; erkenntlich an den Ausrichtungen mit *) sowie Simon Wardleys Originaldefinition aus dem Blogpost am Anfang eines jeden Spielzugs in der deutschen Übersetzung angefügt.
Fokussiere auf Nutzerbedürfnisse
Focus on user needs, rechtschaffend gut
Ein wichtiger Aspekt des Kartierens ist die Ausrichtung der Organisation auf die Bedürfnisse der Nutzer und nicht auf die internen Bedürfnisse. Dieser Prozess ermöglicht es oft, unerfüllte Bedürfnisse (Chancen) zu entdecken und Reibungsverluste im Umgang mit Kunden zu vermeiden.
– Simon Wardley
Bei dieser Spielaufstellung wird der Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer gelegt, um Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.
Fokussiere auf Nutzerbedürfnisse kann in Situationen angewendet werden, in denen es wichtig ist, die Bedürfnisse der Nutzer zu verstehen, um ihre Loyalität zu gewinnen oder um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Um Fokussiere auf Nutzerbedürfnisse anzuwenden, sollten Unternehmen sich auf die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe konzentrieren und ihre Produkte oder Dienstleistungen entsprechend anpassen. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist, regelmäßig Feedback von den Nutzern einzuholen und ihre Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen.
Praxisbeispiele:
- Apple hat den Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer gelegt, als es das iPhone entwickelt hat. Das Unternehmen hat sich auf die Benutzerfreundlichkeit konzentriert und ein Produkt entwickelt, das einfach zu bedienen ist und den Bedürfnissen der Nutzer entspricht. Quelle
- Spotify hat Nutzer in den Vordergrund gerückt, indem es personalisierte Playlists und Empfehlungen basierend auf den Hörgewohnheiten der Nutzer erstellt hat. Das Unternehmen hat erkannt, dass Nutzer eine personalisierte Erfahrung wünschen. Quelle
- Airbnb hat eine Plattform entwickelt, die es seinen Nutzern ermöglicht, Unterkünfte zu finden, die ihren Wohn- und Übernachtungsbedürfnissen entsprechen. Airbnb liefert dadurch Nutzern einzigartige und erschwingliche Unterkünften. Quelle
- Uber ermöglicht Nutzern, schnell und einfach eine Fahrt zu finden. Dazu hat Uber zuvor erkannt, dass Nutzer eine bequeme und erschwingliche Möglichkeit suchen, um von A nach B zu gelangen. Quelle
- Facebook hat den Fokus auf die Bedürfnisse der Nutzer gelegt, indem es eine Plattform entwickelt hat, die es den Nutzern ermöglicht, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Das Unternehmen hat erkannt, dass Nutzer eine Möglichkeit suchen, um schnell und einfach mit anderen in Kontakt zu treten. Quelle
Nehmen wir an, du bist in einem Softwareentwicklungsteam bei einer großen Bank dafür verantwortlich, ein altes Kreditabwicklungssystem zu erneuern. Hier wirst du häufig von verschiedenen Stakeholdern mit gemischten Meinungen und Wünschen konfrontiert. Einige Benutzer lieben z. B. das gewohnte, wohlige Gefühl bei der Verwendung des Legacy-Systems und haben sich an die Macken gewöhnt. Andere Benutzer sind wegen der ständigen Abstürze und mangelnder Integration mit neuen Technologien regelrecht frustriert. Um den Bedürfnissen der richtigen Nutzer gerecht zu werden, fängt dein Team an, jede Änderung aus der Perspektive der gewünschten Benutzergruppe zu betrachten, welche sich das Produktmanagement (etwa in Form von Personas) als Ziel vorgenommen hat. Ihr sammelt und klassifiziert dazu vorhandenes Nutzerfeedback aus dieser Benutzergruppe, führt Interviews und beobachtet die tatsächliche Nutzung des Systems. Gleichzeitig sucht das gesamte Modernisierungsteam nach Möglichkeiten, um die Nutzererfahrung zu verbessern und neue Funktionen einzuführen, ohne den gewohnten Komfort der vorhandenen Nutzer zu beeinträchtigen, um Akzeptanzprobleme gering zu halten. Nach der Sammlung und Analyse der Nutzerbedürfnisse beginnt das Team, ein modernes und benutzerfreundliches Design zu entwickeln, welches für alle Benutzer geeignet ist. Anstatt sich nur auf technische Verbesserungen zu konzentrieren, berücksichtigt eure Modernisierungsstrategie nun auch die Bedürfnisse und das Feedback der Benutzer. Insbesondere bei Architekturentscheidungen ist eure Zielgruppe immer im Blickfeld, um Entscheidungen in deren Sinne zu treffen. So erzeugt ihr nicht nur ein erneuertes Kreditabwicklungssystem, sondern auch eines, das auf die Bedürfnisse und Erwartungen eurer Nutzer zugeschnitten ist.
Generell kann die Anwendung von Fokus auf Nutzerbedürfnisse kann zu einer höheren Nutzerzufriedenheit und -bindung führen. Unternehmen, die sich auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer konzentrieren, können sich von der Konkurrenz abheben und ihre Marktanteile erhöhen. Allerdings kann die Anwendung auch dazu führen, dass Unternehmen zu sehr auf die Bedürfnisse ihrer Nutzer eingehen und dabei ihre eigenen Ziele vernachlässigen.
Situationsbewusstsein
Situational Awareness, wahrlich neutral
Der Vorgang des Kartierens beseitigt in der Regel Abstimmungsprobleme zwischen Unternehmen, IT und anderen Gruppen, indem eine gemeinsame Sprache geschaffen wird. Das ermöglicht die Entwicklung eines gemeinsamen Ziels und versetzt die Gruppen in die Lage, die Vorteile ihres Teils der Karte zu nutzen und gleichzeitig das Ganze zu verstehen.
– Simon Wardley
Bei der Spielaufstellung Situationsbewusstsein geht darum, sich ein umfassendes Verständnis der aktuellen Lage sowie den aktuell einwirkenden Veränderungsdrücken zu erarbeiten, um anschließend schneller die passenden Veränderungen vornehmen zu können.
Situationsbewusstsein kann in Märkten angewendet werden, die sehr dynamisch und volatil sind, in denen sich Technologien, Kundenbedürfnisse und Wettbewerber schnell verändern können. Es ist besonders effektiv bei der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen oder bei der Anpassung an sich verändernde Kundenbedürfnisse.
Um sich nach Situationsbewusstsein auszurichten, müssen Unternehmen ständig die Umgebung und die sich ändernden Bedingungen im Markt überwachen und analysieren. Sie müssen die Bedürfnisse ihrer Kunden verstehen und auf Veränderungen schnell reagieren können. Dazu gehört auch, dass sie ihre eigenen Stärken und Schwächen sowie die ihrer Wettbewerber genau kennen und darauf reagieren können. Konkreter schlägt Simon Wardley hierfür den Einsatz von Wardley Maps vor (daher oben auch das “Kartieren”), welche in diesem Buch jedoch nicht näher betrachtet werden.
Praxisbeispiele:
- Netflix hat durch die Analyse des Verhaltens seiner Kunden und deren Daten ein besseres Verständnis für ihre Bedürfnisse und Vorlieben entwickelt und kann so schnell neue Inhalte erstellen und anbieten. Quelle
Eine Softwarefirma spürt den starken Druck des Marktes, ihre alten, monolithischen Systeme zu modernisieren. Das Ziel ist es, sich agiler und anpassungsfähiger aufzustellen, um mit den ständig wechselnden Anforderungen und technologischen Innovationen Schritt halten zu können. Bevor das Unternehmen die nächsten Schritte zum Erreichen dieses Ziels findet, arbeitet es aber erst einmal daran, herauszufinden, wo es sich aktuell befindet. Dies ist analog wie bei einer Reise: Die ersten Schritte zum Reiseziel können nicht genannt werden, wenn eine Reisende nicht weiß, wo sie sich derzeit befindet (klingt logisch, wird aber in der Softwaremodernisierung leider zu oft außer Acht gelassen). Das Modernisierungsteam erarbeitet sich daher zuerst ein umfassendes Bewusstsein über die eigene, aktuelle Situation, und stellt die Gründe für eine Veränderung dar, bevor es effektive Taktiken und Strategien entwickelt, um die neuen Ziele zu verfolgen. Konkret wird für das Softwaresystem ein Architektur-Assessment durchgeführt, welches herausarbeitet, welche Teile der Software und welche Entwicklungspraktiken stark veraltet sind und wo eine Modernisierung dringend erforderlich ist. Über den Abgleich mit der aktuellen Marktsituation des Unternehmens wird hier jedoch auch erkannt, welche Systembereiche trotz ihres Alters noch wettbewerbsfähig sind, vorerst nicht angefasst werden müssen. Mit dem Assessment wurde ein umfassendes Situationsbewusstsein geschaffen, welches einen klaren Überblick verschafft und nun als Basis für eine zielgerichtete, weitere Vorgehensweise bei der Modernisierung des Softwaresystems genutzt werden kann.
Generell kann die Anwendung von Situationsbewusstsein kann dazu führen, dass Unternehmen in der Lage sind, schnell auf sich ändernde Marktbedingungen und Kundenbedürfnisse zu reagieren und so wettbewerbsfähig zu bleiben. Es kann jedoch auch dazu führen, dass Unternehmen zu abhängig von Daten und Analysen werden und die Kreativität und Innovationskraft vernachlässigen, da es sich zu lange mit sich selbst beschäftigt.
Effektiv und effizient
Effective & Efficient, wahrlich neutral
Beseitigung von Voreingenommenheit und Überschneidungen innerhalb einer Organisation zusammen mit dem Einsatz geeigneter Methoden für Management und Einkauf. Unterschätze nicht die möglichen Einsparungen; Kostensenkungen von 90 bis 95 % sind keine Seltenheit.
– Simon Wardley
Die Spielaufstellung Effektiv und effizient zielt darauf ab, die Effektivität und Effizienz innerhalb einer Organisation zu verbessern, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Hierbei werden Prozesse und Strukturen optimiert, um Zeit und Ressourcen zu sparen. Es geht also darum, das Richtige richtig zu tun.
Die Spielaufstellung ist immer relevant, in denen Effektivität und Effizienz ein wichtiger Faktor für den Erfolg sind. Besonders in Umgebungen mit hohem Wettbewerbsdruck oder in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann es helfen, Kosten zu senken und dennoch erfolgreich zu sein.
Zur Nutzung müssen ineffiziente Prozesse und Strukturen identifiziert werden. Danach erfolgt deren Optimierung etwa durch den Einsatz von Technologien zur Automatisierung oder Standardisierung bei nicht differenzierenden Tätigkeiten. Auch die Schulung von Mitarbeitern kann helfen, um ihre eigene Effektivität und Effizienz zu steigern. Zusammen mit Situationsbewusstsein führt diese Spielaufstellung dazu, weniger oft aneinander vorbeizureden und irrtümlicherweise Unterschiede beim Vorgehen zu sehen, wo keine sind.
Praxisbeispiele:
- Amazon Web Services (AWS) bietet ihren Kunden eine einfache und effiziente Möglichkeit an, Cloud-Dienste zu nutzen. AWS stellt sicher, dass die benötigten Ressourcen schnell bereitgestellt werden, um auf die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren und gleichzeitig die Kosten niedrig zu halten.
- Microsoft hat Microsoft 365 als cloud-basierte Plattform eingeführt, die es Benutzern ermöglicht, von jedem Ort aus auf ihre Dokumente zuzugreifen und sie zu bearbeiten. Dies erhöht die Effizienz und Produktivität der Nutzenden, indem sie Zeit sparen und die Zusammenarbeit erleichtern.
- Salesforce entwickelt eine Customer Relationship Management (CRM)-Plattform, um eine einfache und effektive Möglichkeit zu bieten, Kundeninformationen zu verwalten und zu nutzen, um Geschäftsabläufe zu verbessern und den Kunden besser zu verstehen.
- Facebook optimiert seine Plattform über die Nutzung von Algorithmen und maschinellem Lernen, um schnell und effektiv relevante Inhalte zu liefern. Dies trägt wiederum dazu bei, dass Benutzer mehr Zeit auf der Plattform verbringen und sich besser vernetzen können.
- Slack ändert die Art und Weise, wie Teams zusammenarbeiten. Durch die Nutzung von Technologie und einer effizienten Online-Plattform kann Slack schnell und effektiv Informationen und Kommunikation zwischen Teammitgliedern ermöglichen, was dazu beiträgt, dass Teams effektiver und produktiver arbeiten können.
Stelle dir im Kontext der Softwaremodernisierung vor, du arbeitest als Softwareentwickler in einem großen Technologieunternehmen. Deine Hauptaufgabe ist die Modernisierung des selbst entwickelten, firmeninternen Kundenmanagementsystems, das seit Jahren immer wieder mit kleinen Updates am Leben gehalten wurde. Nun ist es an der Zeit, eine grundlegende Erneuerung durchzuführen. Das Ziel ist dabei klar: Du sollst das System nicht nur auf den aktuellen technologischen Stand bringen (effektiver machen), sondern auch Möglichkeiten finden, seine weitere Entwicklung über weniger hohe Aufwände zu ermöglichen (effizienter machen). Du beginnst also mit der Analyse des bestehenden Codes und identifizierst veraltete, selbst entwickelte Programmteile, welche sich inzwischen durch neue Herangehensweisen und Techniken (etwa aus der Open-Source-Community bzw. durch ein Framework-Update) eleganter lösen lassen. Dein Fokus auf die richtigen Lösungen erhöht damit die Effektivität. Zusätzlich gibst du dir aber auch Mühe, die Entwicklungseffizienz des Systems zu verbessern, indem du Mitarbeitende am System auf die neuen Möglichkeiten aktiv aufmerksam machst (z. B. durch das Schreiben von Tutorials und How-Tos, der Durchführung von Schulungen oder dem Festhalten der neu verwendeten Konzepte in der Architekturdokumentation). Du analysierst dafür auch die bestehenden Prozesse und Arbeitsabläufe der Entwicklung und suchst nach Möglichkeiten, diese zeiteffizienter zu gestalten (z. B. durch Automatisierung). Mit der Spielaufstellung Effektiv und effizient sorgst du dafür sorgen, dass das System gemäß aktuellen Praktiken mit den richtigen Mitteln richtig weiterentwickelt wird.
Die Anwendung von Effektiv und effizient kann allgemein dazu führen, dass Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und Kosten senken können. Allerdings kann es auch zu einem Verlust an Arbeitsplätzen kommen, wenn Prozesse automatisiert oder (Teil-)Systeme wegoptimiert werden. Zudem muss darauf geachtet werden, dass die zusätzliche Effektivität und Effizienz nicht auf Kosten der Qualität geht oder auch vorhandene Mitarbeitende durch die neu zu erlernenden Technologien und Arbeitsweisen überfordert werden.
Struktur & Kultur
Structure & Culture, wahrlich neutral
Einführung von zellenartigen und der Evolution von Komponenten angepassten Strukturen zusammen mit parallel laufenden Kulturen, um Eignung und Einstellung der Mitarbeitenden zu berücksichtigen. Sowohl Autonomie als auch Meisterschaft können durch diese Formen der Struktur ermöglicht werden und vermeiden Silos sowie Trägheit, die durch traditionelle Strukturen entstehen.
– Simon Wardley
Die Spielaufstellung Struktur & Kultur bezieht sich auf die Veränderung der internen Struktur und Kultur eines Unternehmens, um den die unterschiedlichen Facetten des Marktes gerecht zu werden. Hierbei geht es darum, die Arbeitsweise und die Denkweise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verändern, um so eine bessere Position im Markt zu erreichen.
Struktur & Kultur kann in jeder Situation angewendet werden, in der eine Änderung der Organisationsstruktur und Unternehmenskultur notwendig ist, um im Markt weiterhin erfolgreich zu sein. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein Unternehmen in einem neuen Markt Fuß fassen möchte oder wenn es darum geht, eine neue Technologie zu etablieren. Simon Wardley hat hierzu das sog. PST-Modell (Pioneers, Seedlers, Town planners) formuliert, welches das notwendige Mindset nach verschiedenen Evolutionsstufen beschreibt: Pioniere, welche neue Marktchancen explorieren, Siedler, welche gefundene Marktchancen ausbauen, und Städteplaner, welche eine vorhandene Marktposition perfektionieren.
Um die Spielaufstellung Struktur & Kultur zu nutzen, wird der Organisationsstruktur und Unternehmenskultur mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Dies kann beispielsweise durch die Einführung neuer Arbeitsmethoden, die Schaffung von neuen Hierarchien oder die Etablierung einer neuen Unternehmenskultur geschehen. Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeweils passend zu ihrem Arbeitsbereich zu motivieren, um etwa neue innovative Ideen zu entwickeln, auszubauen oder zu optimieren, um eine bessere Position im Markt je nach der Evolutionsstufe einer Komponente zu erreichen.
Praxisbeispiele:
- der Onlineshop Zappos hat eine Unternehmenskultur, die auf Kundenservice und Mitarbeiterzufriedenheit basiert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden ermutigt, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen, um den Kundenservice zu verbessern. Quelle
Bezogen auf die Softwaremodernisierung nimm einmal an, dass du Teil eines Unternehmens bist, das sich auf die Modernisierung und Optimierung von Softwaresystemen spezialisiert hat. Deine Firma hat gerade einen neuen Auftrag von einem Kunden erhalten, der ein veraltetes Softwaresystem hat, das dringend aktualisiert werden muss. Der Kunde ist jedoch skeptisch, die Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen, da er befürchtet, dass die neue Software die gewachsene Struktur und Kultur seines Unternehmens nicht berücksichtigt. Struktur & Kultur legt den Fokus darauf, eine Lösung zu finden, welche die Historie des Unternehmens einbezieht. Du studierst daher den aktuellen Aufbau des Unternehmens, die Hierarchien und die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Du analysierst über Beobachtung und Interviews, wie die Mitarbeiter mit der aktuellen Software umgehen und sammelst Feedback über Bedürfnisse und Erwartungen an das neue System. Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren entwirfst du dann eine modernere Softwarelösung, welche die gewohnte Struktur und Kultur des Unternehmens nicht komplett über den Haufen wirft, aber notwendige Veränderungen passend zum Kontext und den Zielen des Unternehmens ergänzt. Dies sorgt dafür, dass die Modernisierung vom Unternehmen besser mitgetragen wird, da sich insbesondere die Mitarbeitenden des Unternehmens abgeholt fühlen und dadurch in der Lage sind, die notwendigen Schritte der Veränderungen gemeinsam zu gehen.
Durch die Anwendung von Struktur & Kultur können sowohl positive als auch negative Folgen entstehen. Eine positive Folge ist, dass das Unternehmen innovativer und kreativer wird und somit eine bessere Position im Markt erreichen kann. Die Beschäftigung mit dieser Spielaufstellung hilft auch, frühzeitig Unstimmigkeiten bei der Belegschaft zu adressieren, falls sich die Einstellung, wie Komponenten der Firma weiterentwickelt werden, ändern muss. Eine negative Folge kann sein, dass die Veränderungen in der Organisationsstruktur und Unternehmenskultur zu Konflikten und Unruhe unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen können.
Optimiere den Fluss
Optimising Flow, wahrlich neutral
Risiken, Performance, Information- und Finanzströme können durch eine Kartierung analysiert und verbessert werden. Dies ist notwendig, um die Gewinnspanne zu erhöhen, Reibungsverluste zu beseitigen und die Geschwindigkeit zu erhöhen.
– Simon Wardley
Die generelle Spielaufstellung Optimiere den Fluss erhöht die Effizienz und Geschwindigkeit von Prozessen, um die Durchlaufzeit zu minimieren und die Qualität der Ergebnisse zu maximieren. Dabei wird darauf geachtet, dass alle Schritte des Prozesses optimal aufeinander abgestimmt sind und keine unnötigen Wartezeiten entstehen.
Optimiere den Fluss kann in verschiedenen Kontexten angewendet werden, beispielsweise in der Produktion, im Kundenservice oder bei der Entwicklung von Software.
Um den Fluss zu optimieren, müssen die verschiedenen Schritte des Prozesses analysiert und eine effiziente Reihenfolge festgelegt werden. Dabei können auch Automatisierung und Standardisierung eingesetzt werden, um die Durchlaufzeit zu verkürzen. Es ist wichtig, regelmäßig zu überprüfen, ob der Prozess noch effizient ist und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Wardley Maps kann hier als Werkzeug dienen, oder auch die verwandte Methode der “Wertstromanalyse”.
Praxisbeispiele:
- die Firma Tesla hat durch die Optimierung des Fertigungsprozesses für das Model 3 die Produktionskapazität von 2020 zu 2021 um 83% gesteigert. Quelle
- der Online-Versandhändler Amazon hat durch die Optimierung des Bestell- und Versandprozesses eine schnelle Lieferung und hohe Kundenzufriedenheit erreicht. Quelle
Die Spielaufstellung tritt in der Softwaremodernisierung in Szene, wenn es dein Ziel ist, die Effizienz in der Bearbeitung von Aufgaben zu maximieren und gleichzeitig die Verschwendung von Ressourcen zu minimieren. Stell dir eine Softwareentwicklungsabteilung vor, die daran arbeitet, ein veraltetes Informationssystem zu modernisieren. Die Herausforderung liegt darin, die Produktivität des Teams während des gesamten Modernisierungsprozesses aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass sich die bereitgestellten Ressourcen direkt auf die Qualitätsverbesserung des Endprodukts auswirken. Die Entwicklungsabteilung entscheidet sich daher für eine agilere Arbeitsweise, mit klar definierten Aufgaben, Prioritäten und Feedback-Schleifen. Das Team ist damit selbst gut aufgestellt und hat ihre Produktivität in eigener Hand. Jedoch gibt es in der gesamten Organisation noch traditionell arbeitende Bereiche, welche dem Entwicklungsteam zuliefern oder welche Artefakte des Entwicklungsteams vor der Produktivsetzung entgegennehmen und weiterverarbeiten. Auch hier kann es zu Problemen mit den kontinuierlichen Verbesserungsarbeiten am Softwaresystem kommen. Daher visualisiert das Entwicklungsteam anhand eines Kanban-Boards, welche Engpässe und Überlastungen existieren, um diese proaktiv anzugehen. Außerdem werden regelmäßige Stand-up-Meetings abgehalten, in denen über den Fortschritt und etwaige Hindernisse offen zu sprechen. Die Idee ist es hierbei, nicht nur den Arbeitsfluss innerhalb des Entwicklungsteams zu optimieren, sondern auch außenliegende Verzögerungen zu vermeiden und Blockaden zu lösen.
Die Optimierung des Flusses kann zu einer höheren Effizienz und Produktivität führen. Allerdings besteht die Gefahr, dass dabei die Qualität der Ergebnisse vernachlässigt wird oder Mitarbeiter unter Druck gesetzt werden, um schnelle Ergebnisse zu erzielen. Es ist daher wichtig, die Auswirkungen der Optimierung auf alle Aspekte des Prozesses zu berücksichtigen.