Fokus: Ökosystem

ecosystem

Andere zum Erreichen der eigenen Ziele einsetzen.
–Simon Wardley

Dieser Fokus beinhaltet Spielzüge, deren grundlegende Idee ist, andere Parteien dazu zu nutzen, um auf dem Markt erfolgreicher darzustehen.

Allianzen

Alliances, rechtschaffend gut

Mit anderen Unternehmen zusammenarbeiten, um die Entwicklung einer bestimmten Tätigkeit, Praktik oder eines Datenbestands voranzutreiben.
– Simon Wardley

Allianzen sind strategische Partnerschaften zwischen zwei oder mehr Unternehmen, die vereint arbeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Diese Allianzen können dazu dienen, Ressourcen und Fähigkeiten zu teilen, den Zugang zu neuen Märkten zu erweitern, Risiken zu teilen und Innovationen zu fördern. Sie können auf bestimmte Projekte abzielen oder langfristige Beziehungen sein.

Allianzen können besonders nützlich sein, wenn ein Unternehmen in einen neuen Markt eintreten möchte, in dem es wenig Erfahrung hat. Durch die Bildung einer Allianz mit einem etablierten Akteur in diesem Markt kann das Unternehmen von dessen Kenntnissen und Erfahrungen profitieren und das Risiko eines Markteintritts reduzieren. Auch wenn beide Unternehmen Marktkenntnisse haben, aber sich gegenseitig gut ergänzen, könnte Allianz hilfreich sein.

Allianzen können auf verschiedene Weisen angewendet werden. Sie können formell oder informell sein, und sie können auf verschiedenen Ebenen innerhalb der beteiligten Unternehmen stattfinden. Allianzen können auch unterschiedliche Formen annehmen, wie z.B. Joint Ventures, Partnerschaften, Lizenzvereinbarungen oder Outsourcing-Vereinbarungen.

  • Google und Salesforce haben sich zusammengeschlossen, um für das Cloud-basiertes Kundenmanagementsystem von Salesforce KI-Fähigkeiten über die Nutzung von Googles Large Language Models voranzutreiben Quelle.

Ein konkretes Szenario aus der Modernisierung von Softwaresystemen könnte folgendermaßen aussehen: Ein Softwareunternehmen, das sich auf die Entwicklung von CRM-Systemen (Customer Relationship Management) spezialisiert hat, steht vor der Herausforderung, dass seine Produkte nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Marktes entsprechen. Die Softwarearchitektur ist veraltet, und es fehlen moderne Funktionen, die von der Konkurrenz bereits angeboten werden. Um nicht den Anschluss zu verlieren, entscheidet sich das Unternehmen für eine strategische Allianz mit einem Cloud-Service-Anbieter. Durch diese Allianz kann das Softwareunternehmen seine CRM-Systeme in die Cloud migrieren und als SaaS-Lösung (Software as a Service) anbieten. Der Cloud-Service-Anbieter bringt seine Expertise und Infrastruktur ein, während das Softwareunternehmen sein Fachwissen über CRM-Systeme und Kundenbeziehungen einbringt. Gemeinsam entwickeln sie eine moderne, skalierbare und sichere Lösung, die den Kunden als Dienstleistung zur Verfügung gestellt wird. Die Allianz ermöglicht es dem Softwareunternehmen, schnell auf die Cloud-Technologie umzusteigen, ohne selbst in die notwendige Infrastruktur investieren zu müssen. Gleichzeitig kann der Cloud-Service-Anbieter sein Angebot um eine wichtige Geschäftsanwendung erweitern und so neue Kundensegmente erschließen. Beide Unternehmen profitieren von der gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung der Lösung, die ohne die Allianz so nicht möglich gewesen wäre.

Die positiven Folgen von Allianzen können eine verbesserte Marktposition, Zugang zu neuen Märkten und Technologien, geteilte Risiken und Kosten sowie beschleunigte Innovation sein. Allerdings können Allianzen auch negative Folgen haben, wie z.B. Konflikte zwischen den Partnern, Verlust von Kontrolle und Abhängigkeit von den Partnern. Insbesondere, wenn das eigene Unternehmen vom Partnerunternehmen ausgenutzt wird, kann das negative Konsequenzen für die eigenen Angebote haben (vgl. z. B. Frühindikatorensystem). Es ist daher wichtig, dass Unternehmen die potenziellen Risiken und Vorteile einer Allianz sorgfältig abwägen, bevor sie eine solche eingehen.

Gemeinsame Erschaffen

Co-Creation, rechtschaffend gut

Mit Endnutzern zusammenarbeiten, um die Entwicklung einer bestimmten Tätigkeit, Praktik oder eines Datenbestands voranzutreiben.
– Simon Wardley

Gemeinsame Erschaffen bezeichnet eine strategische Vorgehensweise, bei der Unternehmen mit ihren Kunden, Partnern oder anderen Stakeholdern zusammenarbeiten, um neue Produkte, Dienstleistungen oder Ideen zu entwickeln. Dieser Ansatz ermöglicht eine tiefere Zusammenarbeit und Interaktion zwischen den Beteiligten und kann zu Innovationen führen, die sowohl für das Unternehmen als auch für die beteiligten Stakeholder von Vorteil sind.

Ein typischer Einsatzkonzext ist die agile Softwareeentwicklung, wo Unternehmen ihre Kunden in den Entwicklungsprozess einbeziehen können, um sicherzustellen, dass die endgültige Lösung den Anforderungen und Erwartungen der Nutzer entspricht.

Im Allgemeinen beginnt Gemeinsame Erschaffen mit der Identifizierung der Stakeholder, die in den weiteren Entwicklungsprozess einbezogen werden sollen. Danach wird ein Rahmen für die Zusammenarbeit festgelegt, der klar definiert, wie die Zusammenarbeit aussehen soll und welche Ziele erreicht werden sollen. Dies kann durch gemeinsame Workshops, regelmäßige Treffen, Usability-Tests und andere Formen der Zusammenarbeit erfolgen.

  • Das Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte DATEV arbeitet regelmäßig mit externen Beratungsorganisationen, Consultants, Coaches, Kunden sowie den eigenen Mitarbeitenden über das “DATEV-CoCreationCamp

” zusammen, um gemeinsam über die Zukunftspläne des Unternehmens zu reflektieren und entsprechend anzupassen. Quelle

  • Microsoft bot mit seinem “Customer co-creation Program” Endandwendern die Möglichkeit, Feedback zu ihren Cloud- und KI-basierten zu geben, um direkt Einfluss auf die weitere Entwicklung zu nehmen. Quelle

In der Softwaremodernisierung kann Gemeinsame Erschaffen eine wichtiger Erfolgsfaktor sein. Beispielsweise könnte ein großes Einzelhandelsunternehmen eine veraltete Lagerverwaltungssoftware modernisieren wollen, da das vorhandene monolithisches System nun schwer zu warten und zu erweitern ist. Hierfür arbeitet das Unternehmen mit einer externe IT-Beratung zusammen, um hier dem Unternehmen helfen, eine Lösung zu entwickeln, die genau auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dies beginnt dann etwa mit Workshops, welche die (bestehende und neuen) Anforderungen und Bedürfnisse des Einzelhandelsunternehmen erfasst. Gemeinsam mit den Fachexperten des Unternehmens und den externen IT-Consultants wird hier ein gemeinsames Verständnis für die Geschäftsprozesse erarbeitet und wichtige Bereiche identifiziert, in denen die Software primär verbessert werden soll. Auf Basis dieser Erkenntnisse wird ein Konzept für eine moderne, modulare Softwarearchitektur entwickelt. Dabei wird stets mit den Endnutzern und Fachexperten des Systems zusammengearbeitet, um sicherzustellen, dass die neue Architektur die Geschäftsprozesse optimal unterstützen. Durch diese enge Zusammenarbeit entsteht eine Lösung, die genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens unter Mitwirkung dessen Mitarbeitenden zugeschnitten ist. Alle wichtigen Stakeholder werden in den Modernisierungsprozess einbezogen und bekommen so das wichtige Gefühl, dass die neue Software “ihre” Software ist. Dies führt zu einer hohen Akzeptanz der neuen Lösung im Unternehmen und erleichtert die Umstellung auf das neue System.

Die Anwendung von Gemeinsame Erschaffen kann zu einer Reihe von positiven Ergebnissen führen. Dazu gehören verbesserte Produkte und Dienstleistungen, stärkere Beziehungen zu Stakeholdern und ein erhöhtes Maß an Innovation. Allerdings kann Gemeinsame Erschaffen auch Herausforderungen mit sich bringen, wie die Notwendigkeit, Ressourcen für die Zusammenarbeit bereitzustellen und die Schwierigkeit, ein Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Parteien zu finden. Zudem gibt ein Unternehmen auch einen tiefen Einblick in die eigene Unternehmenskultur und der internen Zusammenarbeit. Mit Gemeinsame Erschaffen werden diese Aspekte teils den unmittelbaren Endkunden offengelegt. Daher muss das Miteinander im Unternehmen passen, da ansonsten ein schlechter Eindruck bei externen Kooperationspartnern entstehen könnte.

Frühindikatorensystem

Sensing Engines (ILC - Innovate, Leverage, Commoditize), wahrlich neutral

Nutzung von Nutzungsdaten zur Bestimmung des zukünftigen Erfolgs.
– Simon Wardley

Frühindikatorensystem ist ein strategischer Spielzug, bei dem ein Unternehmen durch ständiges Beobachten, daraus Lernen und Anpassen an den Markt seinen Wettbewerbsvorteil kontinuierlich stärkt. In der Innovationsphase werden hierzu neue Ideen und Konzepte entwickelt bzw. beobachtet. In der Hebelwirkungsphase werden diese Ideen genutzt, um neue Produkte, Praktiken, Dienstleistungen o. ä. so zu entwickeln, dass sie einen schnelleren Wettbewerbsvorteil bieten als Marktmitbegleitende. In der Kommoditisierungsphase wird versucht, diese Angebote so effizient und kostengünstig wie möglich herzustellen bzw. anzubieten, um sie als eine Art Standard am Markt zu etablieren. Die Absicht besteht hier insbesondere, anderen Marktakteuren es zu ermöglichen, neue Innovationen auf Basis des eigenen Angebots zu ermöglichen. Diese werden durch eine Nutzungsanalyse beobachtet, um darauf basieren zu entscheiden, ob ebenfalls eigene Ideen entwickelt werden sollen oder sich aufkommende Innovation einzuverleiben (vergleiche auch Früchte ernten und Turm und Graben)

Der Spielzug Frühindikatorensystem ist besonders nützlich in dynamischen und sich schnell ändernden Märkten, wie der Technologie- oder Softwareindustrie. Unternehmen in diesen Branchen müssen ständig innovativ sein und sich an neue Trends und Marktanforderungen anpassen, um ihre Wettbewerbsposition auf Basis der echten Nachfrage am Markt zu stärken.

Um Frühindikatorensystem anzuwenden, muss ein Unternehmen ein System für das Erfassen von Nutzungsdaten sowe dem Analysieren von Markttrends und Kundenfeedback aufbauen. Neu erkannte Ideen am Markt sollten dann so schnell wie möglich in neue Angebote umgesetzt werden. Gleichzeitig muss das Unternehmen das ständig seine Produktions- und Lieferprozesse überprüfen und verbessern, um die Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern, damit andere Unternehmen auf dem eigenen, zuverlässigen Angeboten kostengünstig für ihre eigenen Innovationen aufsetzen können, und gegenüber Marktmitbegleitern, welche die gleiche Strategie verfolgen, bestehen zu können.

Im allgemeinen sind große Tech-Unternehmen wie Google, Amazon oder Microsoft dafür bekannt, ständig neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt zu bringen und ihre bestehenden Angebote kontinuierlich zu verbessern. Sie könnten dabei umfangreiche Datenanalysen und Feedback von Kunden nutzen, um ihre Innovationen voranzutreiben und ihre Angebote zu optimieren. Da kaum etwas über die Anwendung dieses strategischen Spielzugs öffentlich zugänglich ist, wird hier auf konkrete Beispiele verzichtet, da diese nicht eindeutig belegbar sind. An dieser Stelle möchte ich jedoch auf den Talk von Adrian Cockroft (ehemaliger Vice President von Amazon Web Services) verweisen: Mapping Your Stack.

In der Softwaremodernisierung könnte dieser Spielzug hilfreich bei der Anpassung der Zielgruppe sein, um spezielle Lösungen auf Basis der eigenen Stärken der vorhandenen Softwaresysteme zu entwickeln. Ein konkretes Szenario könnte etwa die Entwicklung eines allgemeinen Cloud-Speichersystems zu einer Datenspeicherlösung für Edge-Geräte und schließlich zu einer Monitoring-Lösung im Internet der Dinge (IoT) sein. Zunächst innovierst du, indem du eine neue Funktion entwickelst, die es ermöglicht, dass Edge-Geräte direkt auf den Cloud-Speicher zugreifen können. Dies ist ein großer Fortschritt, da es die Datenintegration und -verarbeitung beschleunigt. Nachdem du diese Innovation eingeführt hast, führst du diese in dein bestehendes Produktportfolio ein und bietest die Lösung deinen Kunden an. Dies erhöht den Wert deines gesamten Angebotes durch einen “High-Level-Service” und stärkt deine Position auf dem Markt. Schließlich kommerzialisierst du die Innovation, indem du sie als eigenständigen Cloud-Service auf den Markt bringst. Dabei beobachtest du stets die Nutzung des Services, um durch die Analyse von Metadaten mitzubekommen, was deine Kunden mit deinem Angebot machen. Es könnte sich hier heraustellen, dass viele Kunden auf Basis deines Services eine IoT-Monitoring-Lösung bauen. Auf Basis dieser Beobachtungen bietest du eine neue, innovative Lösung an, die es Unternehmen ermöglicht, ihre eigenen Daten von ihren IoT-Geräten überall von der Welt effizient zu analysieren, um ihre Betriebsabläufe zu optimieren und fundierte Geschäftsentscheidungen zu treffen. Dieser Prozess kann beliebig häufig wiederholt werden, um kontinuierlich Produkte und Services anzubieten, die vom Markt gefordert werden.

Die Anwendung des Gameplays Sensing Engines (ILC) kann zu einer verstärkten Wettbewerbsposition und erhöhter Marktdynamik führen. Unternehmen, die dieses Gameplay erfolgreich anwenden, können sich schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen und ihre Produkte und Dienstleistungen kontinuierlich verbessern. Dies kann zu einem nachhaltigen Wettbewerbsvorteil führen. Auf der anderen Seite kann die ständige Suche nach Innovation und Optimierung auch zu einer Überforderung der Mitarbeiter führen und die interne Kommunikation und Zusammenarbeit belasten. Insbesondere ist es im Softwaremodernisierungsumfeld wichtig zu beachten, dass das eigene Unternehmen nicht selbst Opfer anderer Unternehmen werden, welche ein Frühindikatorensystem betreiben.

Turm und Graben

Tower and Moat, wahrlich neutral

Eine künftige Position zu beherrschen und zu verhindern, dass spätere Konkurrenten eine Wettbewerbsdifferenzierung schaffen.
– Simon Wardley

Der strategische Spielzug Turm und Graben zielt darauf ab, eine dominante Position in einem bestimmten Marktsegment oder Technologiebereich zu erreichen und zu verteidigen. Der (Burg-)Turm repräsentiert hier die starke, gefestigte Stellung, während der (Burg-)Graben) die Barrieren darstellt, die Wettbewerber daran hindern, in diesen Bereich einzudringen. Konkret kann hier der Graben aus komplementären Produkten, Dienstleistungen oder Strategien besteht, die es Wettbewerbern erschweren, den eigenen Markt zu erreichen oder zu übernehmen.

Der Spielzug dient dazu, in gewissen Situationen eine Stellung zu halten und Wettbewerber abzuwehren.

Um Turm und Graben zu spielen, könnte ein Unternehmen beispielsweise ein starkes Marken-Image aufbauen (der “Turm”) und dieses durch eine Reihe von patentierten Technologien (der “Graben”) schützen (siehe Geistige Eigentumsrechte). Oder ein Unternehmen könnte eine dominante Position in einem bestimmten Marktsegment einnehmen (der “Turm”) und diese durch eine aggressive Preispolitik (der “Graben”) verteidigen (siehe Preispolitik).

  • Man könnte Apple unterstellen, eine Art “Turm” durch die Entwicklung von innovativen Produkten wie iPhone, iPad und MacBook aufgebaut zu haben: Wertvolle Produkte, die es sich lohnt, zu verteidigen. Der “Graben” bestünde hier dann aus dem geschlossenen Ökosystem von iOS und MacOS, den Apple Stores und dem starken Markenimage, das es Wettbewerbern erschwert, die Kundenbindung zu durchbrechen.
  • Oracle eine starken Datenbanksoftware aufgebaut, welche mit vielen komplementären Produkten und Dienstleistungen, die Oracle anbietet, die Kundenbindung erhöhen kann.
  • Microsoft könnte durch das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office eine Art “Turm” aufgebaut haben, den es zu schützen gilt. Der “Graben” könnte hier dann die einfache und engen Integration zwischen den verschiedenen Microsoft-Produkten und -Diensten, wie z.B. Office 365 und Azure, sein.

Ein konkretes Anwendungsbeispiel aus der Modernisierung von Softwaresystemen könnte die Weiterentwicklung einer proprietären Datenbanksoftware sein, die speziell für die Verarbeitung großer Datenmengen in Echtzeit entwickelt wurde. Ein Softwareunternehmen hat eine solche Datenbanksoftware entwickelt und festgestellt, dass sie für Unternehmen, die große Datenmengen analysieren müssen, wie zum Beispiel Finanzinstitute oder Social-Media-Plattformen, von großem Wert ist. Ein vermeintlicher Innovationsdruck lastet auf dem Unternehmen und eigentlich müsste auf Grund der Wettbewerbssituation das bestehende System neugeschrieben werden. Das Unternehmen hat sich jedoch entschieden, Turm und Graben zu spielen. Um hier seine Position zu festigen, investiert das Unternehmen in die Entwicklung weiterer Softwareumsysteme und weiteren Angeboten, um ein Ökosystem von Anwendungen und Dienstleistungen um die Datenbank herum aufzubauen, die speziell auf die Nutzung ihrer Datenbank zugeschnitten sind. Um Wettbewerber davon abzuhalten, ähnliche Produkte zu entwickeln, setzt das Unternehmen auf Patente und exklusive Lizenzvereinbarungen, die es anderen erschweren, vergleichbare Technologien zu entwickeln oder zu verwenden. Zusätzlich bietet das Unternehmen umfassende Schulungen und Zertifizierungen für Entwickler an, um eine Community aufzubauen, die speziell in der Verwendung seiner Datenbanksoftware geschult ist. Durch diese Maßnahmen errichtet das Unternehmen einen metaphorischen “Turm”, der seine führende Position im Bereich der Echtzeit-Datenverarbeitung darstellt, und einen “Graben”, der es für potenzielle Konkurrenten schwierig macht, in diesen Bereich einzudringen und eine vergleichbare Lösung anzubieten. Dadurch sichert sich das Unternehmen langfristige Wettbewerbsvorteile und eine starke Marktposition – womöglich ohne eine Zeile des bestehenden Codes des Legacy Systems anzurühren.

Positive Folgen der von Turm und Graben können eine stärkere Marktstellung, erhöhte Kundenbindung und höhere Gewinne sein. Negative Folgen können kritische Stimmen der nutzenden Unternehmen bzgl. einer eingegangenen Abhängigkeit von dem “Turm” und den einhergehenden Schwierigkeiten bei der Anpassung an Marktveränderungen sein. Zudem kann es zu kritischen Reaktionen von Kunden und Regulierungsbehörden kommen, wenn die Strategie als monopolistisch oder unfair wahrgenommen wird.

Zweiparteienbeziehung

two factor

Bringing together consumers and producers and exploiting the relationship between them.
–Simon Wardley

Bei Zweiparteienbeziehung geht es darum, zwei unterschiedliche Gruppen zusammenzubringen, typischerweise Produzenten und Konsumenten, und von der Interaktion zwischen ihnen zu profitieren. Plattformen, die Käufer und Verkäufer zusammenbringen, nutzen diesen Spielzug, um Wert zu schaffen.

Der Spielzug kann angewandt werden, wenn es zwei unterschiedliche Märkte gibt, die von ihrer Existenz wenig wissen. Hier kann eine dritte Partei die Rolle übernehmen, beide Marktteilnehmer zusammenzubringen.

Um Zweiparteienbeziehung umzusetzen, müssen potenzielle Kandidaten für die Beziehung durch eine Marktanalyse identifiziert werden. Der Bedarf der einen Partei muss zu dem Angebot der anderen passen. Über das Bekanntmachen beider Parteien miteinander, kann dann ein Markt für diese geschaffen werden.

  • Der Online-Fahrzeugmarkt “mobile.de” richtet sich an Privatkunden sowie Kfz-Händler und ermöglicht den An- und Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen. Quelle

Ein Unternehmen, das sich auf Smart Home-Software spezialisiert hat, steht vor der Herausforderung, seine Produkte ständig zu modernisieren, um mit den sich schnell entwickelnden Technologien Schritt zu halten. Um den Innovationsprozess zu beschleunigen und gleichzeitig die Kundenbindung zu erhöhen, entscheidet sich das Unternehmen, eine Online-Plattform zu entwickeln, die weitere Entwickler von Smart Home Appliances und Endnutzer zusammenbringt. Die Plattform ermöglicht es Entwicklern, ihre eigenen Smart Home-Anwendungen und -Geräte zu entwickeln und direkt an die Endnutzer zu verkaufen. Gleichzeitig können Endnutzer aus einer Vielzahl von Anwendungen und Geräten wählen, die ihre individuellen Bedürfnisse erfüllen. Das Unternehmen stellt sicher, dass die Plattform einfach zu bedienen ist und sowohl Entwicklern als auch Endnutzern einen Mehrwert bietet.
Durch die Schaffung Beziehung zwischen beiden Parteien profitieren die Entwickler von einem direkten Zugang zu einem breiten Kundenstamm und erhalten sofortiges Feedback, das sie zur Verbesserung ihrer Produkte nutzen können. Endnutzer profitieren von einer größeren Auswahl und der Möglichkeit, ihre Smart Home-Systeme individuell anzupassen. Das Unternehmen selbst profitiert von einer lebendigen Community, die die Plattform nutzt, und kann durch Transaktionsgebühren oder Premium-Dienste Einnahmen generieren. Zudem erliegt es mit dem eigenen Softwaresystemen nicht mehr den Innovationsdruck am Markt, sondern lagert diesen an Entwicklern aus.

Zweiparteienbeziehung ist eine wertvolle Maßnahme am Markt. Unternehmen, die diese Aufgabe übernehmen, können von dem Handel beider Parteien relativ risikoarm etwa über Geführen oder Provisionen profitieren. Probleme könnten entstehen, wenn beide Parteien sich dazu entscheiden, dass es keinen Vermittler zwischen ihnen mehr geben soll. So stirbt dann der Sinn der Funktion ab und die Geschäftsaktivitäten müssen eingestellt werden.

Co-opting

Kopieren von Konkurrenten und Unterlaufen derer Ökosystemvorteilen durch Unterbrechung des Informationsflusses.
– Simon Wardley

Bei diesem Spielzug imitiert ein Unternehmen die Strategie eines Konkurrenten, um dessen Vorteile zu neutralisieren. Dies kann durch das Kopieren von Features, das Unterbieten von Preisen oder das Stören von Ökosystemen geschehen. In der Softwaremodernisierung könnte dies das Anbieten einer kompatiblen Software sein, die Kunden von einem Konkurrenzprodukt abzieht.

Embrace & Extend

Diese Strategie beinhaltet das Aufgreifen eines bestehenden Ökosystems und dessen Erweiterung um eigene Produkte oder Dienstleistungen. Das Ziel ist es, die Kontrolle über das Ökosystem zu erlangen und es für die eigenen Zwecke zu nutzen. In der Softwareentwicklung könnte dies die Übernahme eines Open-Source-Projekts und dessen Erweiterung um proprietäre Features sein, die das Unternehmen kontrolliert.