Die Geschichte vom Königsgebäck
Es war einmal in der Stadt Backrabah. Dort lebte ein alter Sultan, der ein rechtes Leckermaul war und Süßspeisen jeder Art über alles liebte. Doch so reichhaltig die Vielfalt auch war, es war nichts dabei, was ihn noch so recht begeistern konnte und so rief er denn einen Wettbewerb aus, an dem ein jeder sich beteiligen konnte. Der Preis war nichts Geringeres als die Hand seiner Tochter und das Erbe seiner Krone. Doch die Aufgabe war hart, denn es galt dem Sultan ein Gebäck zu kredenzen, wie er es zuvor noch nie gekostet hatte. Viele versuchten sich an der Aufgabe, doch so raffiniert die Künste der Zuckerbäcker auch waren, immer mussten sie erfolglos von dannen ziehen. So verging ein ganzer Monat und ein Tag, als der Sohn eines Müllers vor den Herrscher trat. Er trug einen groben Weidenkorb über den ein schlichtes Leinentuch gelegt war. Tief verneigte er sich und sagte: „Herr, ich bringe Euch ein Geschenk.“ Der Sultan stand von seinem Diwan auf und lüftete das Tuch, um das Gebäck zu begutachten. Sein Blick zeigte deutlich die Enttäuschung, die er beim Anblick dieses schlichten Gebäcks empfand, doch als er sich über den Korb beugte und daran roch, erhellte sich seine Miene. Eilig hieß er seinem Diener ein Messer zu bringen und ein Stück davon abzuschneiden, damit er es kosten könne. Nachdem er einen Bissen zu sich genommen hatte, verdrehte er die Augen in seliger Wonne. Sogleich rief er seinen Leibarzt zu sich, der auch probieren sollte und dieser lobte die gesundheitsfördernde Wirkung. Der hinzugekommene Küchenmeister pries die vielfältige Verwendbarkeit der Speise, welche in ihrer Schlichtheit zu nahezu allem gereicht werden könne. Selbst der Papagei ließ seinen Keks fallen und knabberte an dem neuen Futter. Was es war? Ihr habt es wohl alle schon erraten… ja, es war einfaches Brot. Und als der Sultan eines Morgens die Backstube betrat, und dabei zusah, wie die kleinen Brötchen - gleich der Sonne - goldgelb im Ofen aufgingen, verkündete er voll Freude: „Vom heutigen Tage an, soll mein Reich als ‘das Land der aufgehenden Brötchen’ bekannt sein, auf dass ein jeder für alle Zeit sich an den Segen dieser Spezialität erinnern möge. So entstand auch der Brauch, dass man einem Menschen, dem man Glück und Wohlstand wünscht, ein selbst gebackenes Brot schenkt, auf dass er niemals Hunger leiden möge.